Was soll ich malen oder die Angst vor dem leeren Blatt

Was soll ich malen

Ja, ich würde ja malen, wenn ich nur wüsste, was … Was soll kann ich denn malen? Diese Frage wirft sicherlich am Anfang bei vielen ein großes Fragezeichen auf – so wie es auch bei mir war. Aber keine Sorge – wenn du dich erst mal ein bisschen damit beschäftigt hast, wirst du vor lauter Ideen gar nicht mehr wissen, wo du anfangen sollst. ☺️

Mein Vorschlag ist es, dir schon vor dem Malen Gedanken zu deinen Motiven zu machen und nicht erst, wenn du dich hin setzt und das weiße Blatt vor dir hast. Das kann nämlich wirklich abschreckend wirken. Ich selber halte stets und ständig Augen und Ohren offen für meine Mal-Motive. Wenn ich mich zum Malen hin setze, weiß ich immer schon, was ich malen werde. Manchmal ist es eher schwierig auszuwählen, welche Ideen davon ich jetzt umsetze und welche ich weg lasse oder verschiebe.

Malen ist etwas sehr Persönliches. In deinen Motiven spiegelt sich wieder, was dich interessiert, wer du bist, wer oder was in deinem Leben eine Rolle spielt und vielleicht sogar deine Wünsche und Hoffnungen. Deshalb kann ich hier nur Anregungen geben, die dir aber hoffentlich einen großen Stups in die richtige Richtung geben – deine ganz persönliche Richtung.

Male für dich selbst

Deshalb spreche hier auch über deine persönliche Motivwahl. Vielleicht möchtest du später auch einige deiner Werke verkaufen. Möglichkeiten dazu gibt es viele und das kann sich durchaus später ergeben. Aber – wenn du gerade (wieder) anfängst zu zeichnen und zu malen – dann tue dir selbst einen Gefallen und mache es zunächst für dich selbst. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass allzu schnell die Freude leidet, wenn man seine Bilder ‚für andere‘ malt. Denn diese sollen ja dann auch so schnell wie möglich richtig gut werden. Dadurch setzt man sich unter Druck und man malt einfach nicht mehr um des Malen willens. Auch die Motive sind vielleicht gar nicht die, auf die man wirklich Lust hat. Die Wahrscheinlichkeit ist so viel höher, dass man vorzeitig aufgibt und dem Ganzen gar nicht erst eine wirkliche Chance gibt – dann nämlich, wenn man für sich feststellt, dass man doch nicht ’sooo gut‘ ist. Doch darum geht es ja gar nicht!

Wenn du schon andere Artikel von mir gelesen hast, dann weißt du, dass ich dafür plädiere, gerade am Anfang den Prozess des Malens als das Allerwichtigste anzusehen – das Malen selbst, die Freude, die darin liegt, Neues auszuprobieren; sich Zeit zu schenken und seiner Sehnsucht oder inneren Stimme zu folgen; sich auszuprobieren und zu experimentieren; Fehler zu machen, diese anzuerkennen und sogar zu feiern als Teil der eigenen Weiterentwicklung; zu lernen, liebevoll und geduldig mit sich zu sein … Ich bin der Meinung, dass man nur dann am Malen dran bleibt, wenn man (zunächst) ganz bei sich bleibt und bei dem, was einem selbst wichtig ist, was man mit seinen Bildern ausdrücken möchte oder woran man sich immer erinnern möchte. Das Malen soll doch eine freudvolle Zeit sein und nichts, womit wir uns eine weitere Aufgabe aufladen.

Glaubenssätze überwinden

Warum ich früher oft nicht gemalt habe, obwohl ich den Drang dazu hatte, war das Gefühl, dass mir das tatsächlich das passende Motiv fehlte. Ich wollte immer das Gefühl haben, dass das Motiv die Zeit wert ist, die ich dafür aufbringe. Wie du vielleicht aus dem Artikel Das richtige Mindset beim Malen weißt, hatte ich früher den erlernten Glaubenssatz, dass Malen Zeitverschwendung ist. Leider hatte ich das viel zu oft gehört. Daher sollte immer unbedingt etwas Großes – im Sinne von etwas Bedeutendem und Wunderschönem – entstehen, wenn ich gemalt habe, damit ich nicht das Gefühl hatte, meine Zeit verschwendet zu haben. Wie ich in diesem Artikel über Malen als Gewohnheit schon geschrieben habe, geht es aber nicht darum, jeden Tag ein fertiges Bild zu malen und stundenlang daran zu sitzen, sondern allermeistens sind es jetzt bei mir eher Studien, Doodles, Skizzen, Übungen, oder Kritzeleien. Es gibt so, so viele Möglichkeiten, was man malen kann, auch ohne dass man dafür sehr viel Zeit braucht.

Dennoch brauche ich auch heute noch Motive, die für mich wichtig sind, mir etwas bedeuten und die etwas über mich und mein Leben aussagen. Jeden Tag mache ich viele Fotos. Die Fotos zeigen mir, was mir wichtig ist, fest zu halten. Weil es aber so viele Fotos sind, gehen diese Dinge in meinem Kopf auch schnell wieder verloren. Ein Foto hat man so schnell geschossen. Selbst gemalte Dinge aber, mit denen ich mich eine Zeit lang beschäftigt habe, bringen mir wirkliche Erinnerungen und beim Betrachten auch die Gefühle zurück, die ich damals damit verbunden habe. Welche Dinge das sein könnten, sehen wir weiter unten.

Wenn du dir jetzt Sorgen machst, dass die Motive, die du gerne malen würdest, zu schwer sind (auch einer meiner Glaubenssätze für lange Zeit), dann kann ich dich beruhigen. Wenn du etwas lernen möchtest zu zeichnen, dann wirst du es definitiv lernen. Es gibt kein Motiv, das zu schwer ist! Eigentlich ist es vollkommen egal, was das Motiv ist. Mit Inspiration durch andere Künstler, Anleitungen und etwas Zeit zum üben jeden Tag kannst du ALLES malen, was du möchtest! Das Herunterbrechen von Motiven oder scheinbar komplexer Szenen ist auch wieder etwas, wobei wir beim Malen für unser Leben lernen können. Wie oft sieht man einen Berg vor sich und weiß gar nicht, wo man anfangen soll … durch das Malen können wir Zutrauen in uns gewinnen, dass alles möglich ist, wenn wir nur anfangen, nicht mehr den Berg vor uns zu sehen, sondern die Dinge Stück für Stück herunter brechen, vereinfachen und die Komplexität durch schauen. Lass dich also auf keinen Fall von dem Gedanken abhalten: Aber ich kann ja keine Menschen malen. Oder: Ich kann ja keine Stadtansichten malen wie all diese tollen Urban Sketcher. Du kannst es lernen! Ende der Geschichte. Ich habe mittlerweile so viele Bilder gemalt, von denen ich dachte, dass ich das nicht hin bekomme. Ich überrasche mich immer wieder selbst. Ein wunderbares Gefühl! Man kann so viel mehr, als man von sich denkt. Wann immer ich jetzt diese überwältigende Gefühl habe, dass ich keine Ahnung habe, wie ich etwas auf das Papier bringen soll, beruhige ich mich und sage mir, es geht ja nicht um das Ergebnis. Es geht um das Lernen und die Herausforderung an der Sache. Wenn es einfach wäre, würde es jeder machen 😉. Und selbst wenn das Ergebnis nicht so wird, wie ich mir das gewünscht habe, dann habe ich doch jedes einzelne Mal unglaublich viel gelernt, zum Beispiel wie ich ein Motiv vereinfachen kann, wie ich die wichtigsten Informationen daraus darstelle und wie ich abstrahieren kann (und dass ich nicht jedes klitzekleine Detail zeichnen muss). Ich lerne auf dem Weg! Merken wir uns einfach den Satz:

Kein Motiv ist zu schwer!

Skizzenbuch und Listen

Ich empfehle dir, für deine Zeichnungen und Bilder ein Skizzenbuch anzulegen, damit du deine Werke gesammelt beieinander hast. Du kannst dann später auch immer wieder durch blättern, um dich zu erinnern. Und natürlich kannst du dir dann selbst anerkennend auf die Schulter klopfen, wenn du siehst, wie sehr du dich weiter entwickelt hast. Die eigenen Erfolge zu feiern ist ein wichtiger Schritt für deine Weiterentwicklung. Ich selbst habe mittlerweile einige Skizzenbücher, die ich alle gleichzeitig nutze. Eigentlich hatte ich das einmal so angedacht, das eine für Skizzen, das andere für Lettering und ein weiteres zum Lernen und Üben zu benutzen. Aber jetzt ist es so, dass überall verteilt im Haus und in meinen Taschen Skizzenbücher liegen, so dass ich einfach immer das nehme, was da ist. Auch gut. Ich muss mich da nicht reglementieren. Hauptsache, ich male und das Anfangen wird enorm erleichtert, wenn überall Materialien zur Hand sind.

Da ich also immer auf der Suche nach Ideen Ausschau halte, aber nicht immer gleich Zeit habe, alles zu malen, fängt die Motivsuche für mich, wie gesagt, schon weit vor dem Malen an – mit dem Aufschreiben von Listen. Habe ich schon erwähnt, dass ich Listen liebe? 😊 Hier sind nun ein paar Anregungen für verschiedene Listen und mit welchen Ideen du diese Listen ausfüllen kannst – so dass du in Zukunft immer die passende Idee hast – passend zu deiner Zeit und deiner Stimmung, die du gerade hast, wenn du dich wirklich zum malen hin setzt. Du musst auch nicht jede Idee auf deiner Liste umsetzen. Manche Dinge relativieren sich im Laufe der Zeit. Andere Ideen sind so hartnäckig, dass sie dich nicht mehr in Ruhe lassen, bis du sie auf das Papier gezaubert hast.

Einfach anfangen

Das Schwierigste ist es immer anzufangen. Wenn du allerdings schon mal im Flow bist, weil du jeden Tag malst ist es schon mal viiiel einfacher, anzufangen – einfach, weil man drin ist im Prozess und sich schon darauf freut, wieder los legen zu können. Hier liest du mehr darüber, wie du das Malen zu einer Gewohnheit machen kannst.

Wie ich schon schrieb, ist es nicht ratsam, damit anzufangen, sich vor das weiße Blatt Papier zu setzen und am Tisch auf Ideen zu warten. Die Inspiration ist in Hülle und Fülle in unserem Leben, doch nicht wirklich am Tisch.

Doch wenn du wirklich einmal uninspiriert bist, dann starte einfach da, wo du gerade bist. Wenn das am Tisch ist, dann male deinen Tisch. Die Schere, den Stiftebecher, ein Lineal, die Textur vom Holz, ein Foto auf dem Tisch. Was siehst du sonst noch? Die Blumen im Fenster? Deko? Der Blick aus dem Fenster?

All das zu malen, mag zwar vielleicht nicht besonders aufregend sein, aber erstens ist es Teil deines Lebens und zweitens hast du einfach angefangen. Und beim Tun kommen weitere Ideen. Was, wenn Schere und Lineal Gesichter haben und eine Unterhaltung anfangen? Was sagen sie sich? Es werden Ideen kommen, wenn du einfach anfängst! Und jedes Malen ist eine super Übung, die dich weiter bringt – egal, was das Motiv ist.

Fülle einfach das Blatt, egal mit was, Hauptsache es bleibt nicht weiß. Komm ins Tun, das ist alles. Gehe nicht davon aus, dass du jetzt etwas wirklich Gutes malen musst! Schließe vielleicht noch einmal kurz die Augen und frage dich, was du gerade denkst. Dass du eigentlich gerade keine Zeit hast zu malen oder dass du Angst hast, dass du es nicht kannst? In Ordnung. Es ist super, sich diese Gedanken bewusst zu machen und dann lasse sie los. Atme ein paar Mal tief durch und komme im Moment an und dann visualisiere, wie schön das Malen wird und wie viel Spaß das macht.

Hier noch einige weitere Ideen, um einfach anzufangen. Es ergeben sich so gut wie immer mehr Ideen daraus. Und wenn nicht, auch nicht schlimm. Du hast gemalt!

  • Fange an, die Seite einzufärben – egal womit: mit Buntstiften, Markern, Wasserfarben …; streichen, spritzen, pusten … egal … bestimmt kommen dir dabei Ideen, was als nächstes kommt
  • Mache etwas aus diesem Bild. Hast du vielleicht eine Seite mit blau eingefärbt? Was könnte das werden? Ein Himmel? Ein nächtlicher Wald? Bleibe doch vielleicht bei der Farbe und nutze einfach verschiedene Farbtöne und verschiedene Intensitäten von Farbe, um dein Blatt weiter zu füllen. Z.B. mit Bäumen oder Wolken.
  • Doodle einfach herum – hol dir vielleicht Inspiration bei Pinterest oder google zum Thema Zentangles oder doodlen
  • Scribble einfach eine lange geschwungene Linie auf das Papier – hin und her und her und hin, locker aus dem Handgelenk – vielleicht sogar ohne hin zu schauen. Wenn du fertig bist, schaue darauf und versuche, Formen zu erkennen. Male sie bunt aus oder schraffiere sie oder fülle sie mit Mustern – wonach dir gerade ist
  • Fülle eine Seite, indem du Formen mit einem Medium deiner Wahl malst, z.B. Marker, Wasserfarben, Bleistift, Fineliner … Das könnte so etwas sein wie: Kreise, Vierecke, Dreiecke, Monde, Wolken, Sterne, Tropfenformen, Herzen, Pfeile, Blätter von Bäumen …
  • Male nur ein paar große Formen, mit denen du das Papier unterteilst, z.B. Kreise oder Kästchen und fülle diese dann mit kleinen Bildchen. Bilder von einer Landschaft, Mustern, Gesichter, Blumen … was du möchtest!
  • Farbstudien – lerne deine Farben kennen; male jede Farbe einmal auf das Papier; welche würdest du gerne einmal nebeneinander malen? Welche passen für dich gut zusammen? Welche würdest du gerne einmal mischen und schauen, was raus kommt? Mach es einfach. Es ist deine Mal-Zeit!
  • Übe Wasserfarbentechniken wie die Nass-in-Nass-Technik. Ich kann dir sagen, das ist sehr beruhigend! Male dafür mit Wasser auf das Papier und gib dann Farbe hinein. In diese nasse Farbe kannst du wieder Farbe geben. Ich liebe es, dem Fließen zuzusehen
  • Übe gerade Linien nebeneinander oder Kreise. Solche Aufwärmübungen sind immer gut!

All diese Übungen eignen sich auch für faule Tage, an denen du keine Lust hast, irgendetwas kreatives zu fabrizieren. Auch solche Tage gibt es immer wieder. Bleib einfach dran und male jeden Tag, auch wenn es ’nur‘ Übungen sind. Du weißt ja, es geht nicht um das Ergebnis, sondern um das Malen!

Was möchtest du lernen zu zeichnen?

Überlege doch einmal, was du gerne zeichnen können möchtest. Was möchtest du lernen zu zeichnen oder worin möchtest du dich verbessern? Schreibe dir vielleicht auf die erste Seite des Skizzenbuchs deine künstlerischen Ziele auf. Wo willst du hin? Was möchtest du lernen?

  • Landschaften
  • Architektur/Städte/Urban Sketching
  • Menschen
  • Tiere
  • Objekte/Stillleben – auch wenn ich den Begriff Stillleben nicht mag – das klingt so angestaubt nach einem drapierten Bild mit Vasen und Früchten. Es kann aber auch einfach deine Umgebung sein. Dinge in deinem Haus, geliebte Gegenstände, Kleidung, …
  • Gefühle
  • Reiseskizzen
  • Essen
  • Character design

Du könntest dir genau das heraus suchen, das dir Schwierigkeiten bereitet und das du üben möchtest. Natürlich sollte es zugleich etwas sein, das dich interessiert. Wichtig ist: Sie Skizzenbücher sind nicht für Meisterwerke gedacht – obwohl sich solche durchaus daraus ergeben können. Die Skizzenbücher sind auch nicht dazu da, um irgendjemandem zu imponieren und auch nicht, um sich selbst etwas über sich beweisen. Sie sind vor allem für die Freude und die Weiterentwicklung gedacht.

Du könntest dir einen kleinen Lernplan machen. Z.B. ist das Thema ‚Menschen malen‘ ganz schön umfangreich. Das könnte so aussehen:

zeichnen und malen lernen

Du könntest das Ganze sogar zeitlich einplanen, wie: für jedes Thema nehme ich mir eine Woche Zeit. Dann kannst du dir Anleitungen besorgen, Videos anschauen und üben, üben, üben. Die Frage nach dem ‚Was malen‘ erübrigt sich dadurch ganz schnell. 😀

Ich muss sagen, ich habe auch solche Pläne für mich gemacht, aber ich handhabe die Ausführung sehr flexibel ☺️ und übe meistens das, wonach mir gerade am ehesten ist. Hauptsache dran bleiben.

Listen, Listen, Listen …

Und noch mehr Ideen, welche Listen du dir anlegen könntest …

Serien-Liste

Ein und dasselbe Thema – unterschiedliche Motive und Umsetzungen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Serie von Blumen, Waschbären, Bäumen, Meerjungfrauen, Häusern, Landschaften, Jahreszeiten etc. Du könntest auch ein und dasselbe Motiv aus verschiedenen Perspektiven zeichnen, mit verschiedenen Medien, schwarz-weiß oder in Farbe, mit verschiedenen Farb-Stimmungen, mit Licht und Schatten, verschiedenen Texturen, in verschiedenen Stilen – fotorealistisch bis hin zu minimalistisch herunter gebrochen und allem, was dazwischen kommt. Dabei lernt man enorm viel über den eigenen Stil, welche Medien man am liebsten benutzt und ob man ein Motiv wirklich durchdrungen hat.

Studien

Ich mache gerne Screenshots von Bildern, die mir gefallen und versuche bei Gelegenheit, das Bild ab zu zeichnen. Es ist vollkommen legitim, zu seiner eigenen Übung von anderen zu lernen. Keiner hat aus dem Nichts malen gelernt. Es ist so hilfreich, andere Bilder ab zu malen, um zu ergründen, warum das Bild einem so gefällt, wie es gemalt ist und wie man das für sich selber umsetzen kann. Natürlich gehören diese Studien nicht an die Öffentlichkeit.

Du kannst aber auch Studien von Fotos betreiben oder einfach aus dem echten Leben. Sagen wir, du liebst Bäume und den Wald und möchtest zukünftig so viele Bäume wie möglich aus dem Kopf malen können. Dann fängst du damit an, dir zum Beispiel einen Kastanienbaum anzuschauen und diesen zu studieren. Wie sieht die Rinde aus? In welche Richtungen und wie hoch und breit verläuft die Krone? Wie sieht die Kastanie im Frühjahr aus mit ihren schönen großen Blüten und wie sieht sie im Herbst aus mit den stacheligen Früchten? Wenn du so einige Kastanienbäume studiert und gemalt hast, hast du ein Konzept von ihnen im Kopf und kannst sie zukünftig ohne Referenzbild malen. Auf zum nächsten Baum …

Künstler-Liste

Mache dir eine Liste von Künstlern, die du bewunderst. Eine absolut unschlagbare Inspirationsquelle ist Instagram. Ich liebe es! Dort finde ich Künstler aller Richtungen. Wenn ich z.B. Menschen malen möchte oder mich im Character Design verbessern möchte, finde ich dort genau die Künstler, die so malen, wie ich das auch gerne können möchte.

Ich finde aber auch Künstler in Zeitungen wie der Flow, Illustratoren in Kinderbüchern und aus Tutorials auf Pinterest oder youtube. Es gibt unglaublich viel Inspiration da draußen. Die Kunst ist eher, dann auch selber anzufangen anstatt nur Inspirationen zu sammeln. 😇

Eine Möglichkeit wäre es auch, beispielsweise in der Evernote-App die Lieblingsbilder der Lieblingskünstler in einen Ordner zu kopieren oder eine Pinnwand bei Pinterest dafür anzulegen. Diese Liste dient sowohl zur Inspiration als auch zur Motivation. Sie erinnern mich an Tagen, an denen ich keine Lust habe zu malen daran, warum ich eigentlich malen wollte. Ich möchte auch unbedingt so malen können!

Eigene Ideen-Liste

Bei all dieser Inspiration, die es gibt, kommen mir immer ganz viele eigene Ideen für Bilder, die ich ebenfalls sofort aufschreibe, damit sie nicht in Vergessenheit geraten.

Bei dieser Ideen-Liste ist es ganz wichtig, dass wir bei uns bleiben und uns darauf konzentrieren, was wir selbst gerne malen oder lernen möchten.

Motivation ist auch hier wieder ein ganz wichtiges Thema. Nicht jeder Künstler kann jedes Objekt malen – erst recht nicht, wenn das Herzblut dabei fehlt. Die meisten Künstler konzentrieren sich bei ihren Motiven auf die Dinge, die sie lieben und die sie interessieren. Wenn jemand nur Tiere malt und andere fragen: Warum malst du eigentlich immer nur Tiere?, dann könnte derjenige auf die Idee kommen, er müsste ja vielleicht auch mal Menschen malen – doch wenn er eigentlich gar nicht wirklich Lust dazu hat, wird es weder Spaß machen noch wird derjenige sich am Ergebnis erfreuen. Man sieht es den Bildern an, wie sehr einen Künstler das interessiert, was er macht. Es ist einfach wichtig, dass man mit dem Herzen malt. Auch ein Landschaftskünstler, der die Natur liebt, wird wohl nicht gerne Städte malen. Und wozu sollte er auch? So vieles im Leben wird einem vorgeschrieben. In der Kunst ist es wichtig, dass wir unseren eigenen Weg gehen und das malen, worauf wir wirklich Lust haben. Nur so kann unsere einzigartige Kunst entstehen, die aus uns selbst kommt.

Zum Abschluss dieses Punkts noch eine Anmerkung:

Male ruhig gerne gleichzeitig an mehreren Bildern. Manchmal ist es so, dass ich auf ein Bild schaue und eigentlich gar nicht weiß, wie es jetzt damit weiter gehen soll – welche Farben ich nehmen soll, ob ein Hintergrund besser wäre oder eine Textur dazu gehört … dann mache ich lieber mit einem anderen Bild weiter. Wenn ich später wieder auf das erste Bild zurück komme, erkenne ich viel besser, was das Bild jetzt noch braucht oder ob es vielleicht sogar schon fertig ist. Auf die Art überfrachtet man ein Bild auch nicht zu sehr. Ich habe mich schon bei dem ein oder anderen Bild geärgert, dass ich nicht einfach aufgehört habe, sondern immer mehr daran gearbeitet habe. Es war zu viel. Mit neuen Augen nach einer kleinen Pause drauf zu schauen kann da Wunder bewirken.

Fordere dich selbst heraus und stelle dir Aufgaben

Gehe gerne auch noch einen Schritt weiter und experimentiere oder stelle dir eigene Aufgaben und Herausforderungen. Wie wäre es mit diesen Ideen?

  • Eine Woche lang nur eine Farbe und ihre verschiedenen Helligkeiten, Dunkelheiten und Farbtöne benutzen
  • Zeit-Challenge: sich für eine Sache, die man sich vorgenommen hat, nur eine bestimmte Zeit geben, damit man nicht zu perfektionistisch heran gehen kann, sondern gezwungen ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren
  • Direkt mit Kuli oder Fineliner malen, damit man nicht so viel radiert, sondern einfach fließen lässt und genauer beobachtet
  • Verschiedene Materialien ausprobieren, z.B. Kohle statt Bleistift, Marker oder Gouache statt Wasserfarben, (bunter) Kuli statt Fineliner
  • An Instagram-Challenges teilnehmen oder eigene Challenges festlegen (jeden Tag eine Seite füllen oder eine kleine Sache malen)
  • Studien von einem Objekt machen (realistisch malen; abstrahiert malen, mit und ohne Farbe, verschiedenes mit Licht und Schatten ausprobieren, verschiedene Texturen)
  • Verschiedene Zeichen-Mal-Stile ausprobieren
  • Die Materialien limitieren und nur mit einem Stift oder nur mit einer Farbe malen
  • Von anderen Künstlern lernen, indem man versucht, deren Bilder zu malen (natürlich nur für sich selbst zu Übungszwecken)
  • Zwei verschiedene Listen machen, die man durch Zufall vermischt, z.B. auf die eine Liste Tiere schreiben, auf die andere Liste menschliche Objekte oder verschiedene Settings wie Wüste, Eismeer, Dschungel …. Dann wähle eine Sache von jeder Liste, z.B. Chamäleon im Raumschiff und schon kommen coole Ideen dabei heraus
  • ganz groß oder winzig klein malen
  • an ungewöhnlichen Orten malen, wie im Theater oder Kino, wo man eigentlich kaum etwas sieht oder im Auto oder Bus, wo es ständig ruckelt – an diese Ereignisse wird man sich für immer und ewig erinnern, auch wenn das Bild vielleicht nicht so gut sein wird, wie wenn man es zu Hause malen würde – aber darauf kommt es nun mal nicht an! Oder male im Café mit deinem restlichen kalten Kaffee, den du eh nicht mehr trinkst …

Male dein Leben – Art Journaling

Mein aller-allerliebster Punkt und meine persönliche Empfehlung!

Da ich fast jeden Abend in mein Journal schreibe und meine Glücksmomente des Tages aufschreibe, kam ich irgendwann auf die Idee, dass ich doch kleine Dinge aus meinem Alltag zeichnen könnte, über die ich mich gefreut habe und für die ich dankbar bin. So habe ich z.B. an einem der ersten sonnigen Tage im März auf der Terrasse gesessen und das Gefühl vom langsam aufkommenden Frühling gespürt. Ich wollte diesen Moment unbedingt festhalten. Zwar hat nichts geblüht auf der Terrasse, aber ich wollte trotzdem meinen „Ausblick“ festhalten. Das hat nicht lange gedauert. Andererseits habe ich aber auch gar nicht gemerkt, wie die Zeit verging. Ich war im Flow und darauf konzentriert, das zu malen, was ich sehe und auch fühle. Es war herrlich! Das war der wirklich richtige Anfang des art journaling für mich.

Art Journaling - Ideen zum Thema: Was soll ich malen

Zum Malen gehört ja auch viel mehr als nur das Malen selbst, sondern v.a. auch das Beobachten. Als ich angefangen habe, Dinge aus meinem täglichen Leben zu malen, hat sich mir eine andere Art zu sehen eröffnet. Ich habe vieles aus meiner Umgebung ganz anders wahr genommen und viel genauer hin geschaut. Die Farben sind jetzt intensiver, ich umfahre Konturen von Motiven mit meinen Augen und frage mich nun immer: Wie könnte ich dieses oder jenes malen? Ich sehe wieder öfter Formen und Figuren in Wolken, wie als Kind. Ich betrachte eine Hummel an einer Blume ganz aufmerksam: ihre Farben, ihre Textur, ihre Form. Ich schaue mir Pflanzen an, als würde ich sie das erste Mal sehen. Als ich mit dem art journaling angefangen habe, gab es plötzlich keine Frage mehr, was ich malen könnte. Außerdem wurde ich viel achtsamer für das Leben um mich herum und nehme das Leben seither viel intensiver wahr. Von dieser Erkenntnis an wusste ich, dass ich keine Angst mehr haben brauche, dass mir nichts einfällt zu malen. Was könnte es Schöneres und Bedeutungsvolleres geben, als die wunderbaren Momente des eigenen Lebens in einem Bild zu zelebrieren? Nun huscht auch kein Tag mehr an mir vorbei. Meine Sinne sind weit geöffnet für alles Schöne in meinem Leben. Auch ohne dass ich mir meine Bilder anschaue, weiß ich noch genau, was passiert ist und was es alles für tolle Momente gab. Das wüsste ich mit Sicherheit nicht, wenn ich es nur aufgeschrieben hätte. Die Erinnerungen und auch der Fokus auf die schönen Momente verstärkt sich immer mehr. Meine Dankbarkeit wird immer größer und ich sehe die Fülle in meinem Leben. Das macht mich wirklich glücklich.

Warum das Malen besser wirkt als Aufschreiben? Ich denke, es hat damit zu tun, dass die Sprache aus unserer rationalen linken Hirnhälfte kommt, das Malen aber aus der holistischen rechten Hirnhälfte. Wenn ich male, bin ich im Moment und zerdenke nichts. Ich fühle und bin präsent. Außerdem widme ich meinem Motiv beim Malen viel Zeit und würdige es daher ganz anders, als wenn ich es nur schnell aufschreibe.

Was könnte es also Schöneres und Wertvolleres geben, als die Reise seines eigenen Lebens zu illustrieren und damit Spuren zu hinterlassen? Persönlicher geht es gar nicht. Außerdem kann man gut seine eigene künstlerische Entwicklung nachvollziehen und bunt auf weiß sehen, was einem wichtig ist im Leben.

Das Tolle ist auch, dass man in so einem Journal alle Motive vereinigen kann! Das eigene Leben und seine Lieblingsmenschen, Reiseskizzen, Urban Sketching und Plätze, die man besucht, Essen. Alles findet darin Platz und man kann durch diese Vielzahl an Motiven auch alles üben.

Male, was dir Freude macht und das wichtig für dich ist. Jedes Leben ist interessant. Glaub bitte nicht, dass es in deinem Leben nichts gibt, was du malen könntest. Wenn du erst mal anfängst, Augen und Ohren offen zu halten, wirst du sehr, sehr viel sehen.

Wenn du möchtest, kannst du dir natürlich gerne vorab eine Liste zusammen stellen, was du malen könntest. Auf die Art und Weise bist du schon mal sensibilisiert, jeden Tag nach all den Kleinigkeiten Ausschau zu halten, die das Leben so lebenswert machen.

Hier einige Ideen, die ich mir aufgeschrieben habe, was ich aus meinem täglichen Leben malen könnte:

  • Das, was ich gerade vor mir sehe: Blick aus dem Bett, aus dem Fenster, auf den Tisch
  • Kleidung, die ich heute trage (Klamotten alleine liegend oder angezogen),
  • Mein Frühstück
  • Meine Tee- oder Kaffeetasse
  • Wie ich mich heute fühle
  • Was ich eingekauft habe
  • Ein Geschenk, das ich bekomme oder anderen mache
  • Blumen im Blumenladen, an dem ich vorbei komme
  • Bäume und Pflanzen auf dem Weg und zu Hause
  • Jahreszeiten-Dinge, wie frisch wachsende Blätter oder Frühblüher im Frühling oder heruntergefallene bunte Blätter im Herbst
  • Einen Vogel oder einen Schmetterling, den ich unterwegs sehe oder eine Katze, die mir über den Weg läuft
  • Unsere Kaninchen
  • Der Hund, den ich mir gewünscht habe und der dann tatsächlich in mein Leben kam (ich sage nur: Visualisieren, yeah!)
  • Autos
  • Geschäfte
  • Eine schöne Haustür oder hübsche Fenster
  • Verkehrsschilder
  • Bücher, die ich gerade lese
  • Film-Cover oder eine Szene aus einem Film, den ich gucken möchte
  • Zitate, die mir heute über den Weg laufen und die wichtig sind für mich
  • Songzeilen
  • meinen Schreib-/Mal-Tisch und meine Materialien
  • Verabredungen mit Freunden
  • Termine beim Arzt oder Friseur
  • Schöne Begebenheiten aus meinem Leben, z.B. mit meinen Kindern
  • Familie, Oma, Opa
  • Träume – z.B. wie ich durch den Himmel fliegen kann
  • Das Mittagessen auf der Rechnung malen, die ich einklebe
  • Ein Café oder Restaurant, das ich besucht habe
  • Selbst gekochtes Essen
  • Rezepte – mit Zutaten oder Zubereitungsschritte
  • Plätze, die ich besucht habe

Richtig toll ist es auch seinen Fokus im Leben zu porträtieren. Darüber habe ich auch im Artikel: Wie du deinen eigenen Stil findest bzw. warum du gar nicht mehr suchen musst, geschrieben. Was spielt eine große Rolle in deinem Leben? Ein bestimmtes Hobby, z.B. ein Instrument spielen oder liebst du Pflanzen und deinen Garten? Gehst du gerne ins Kino? Sind deine Kinder oder Enkelkinder das Wichtigste in deinem Leben? Vor allem sich verändernde Dinge kann man prima für die Erinnerung auf dem Papier festhalten – z.B. wie die Pflanzen wachsen, Früchte oder Blüten bekommen, wie der Garten im Frühling, Sommer, Herbst und Winter aussieht, bestimmte Situationen und Begebenheiten mit den Kindern, die man sonst allzu schnell wieder vergisst. Kochst oder bäckst du gerne? Male Rezepte. Werkelst du gerne? Male das neu gebaute Regal oder illustriere die Schritte des Aufbaus. Was macht dich aus? Was für ein Mensch bist du und womit verbringst du gerne deine Zeit? Mit Freunden, mit Tieren, mit der Familie, mit älteren Menschen. Finde die Schönheit in deinem Leben.

Es ist auch viel einfacher dran zu bleiben, wenn man das malt, was einem wichtig ist. Man braucht ja nicht mit Menschen anfangen, wenn man eigentlich Pflanzen liebt und gar keine Menschen zeichnen möchte. Und weil man das, was man mag immer wieder zeichnet, übt man es und wird besser, was Selbstvertrauen aufbaut und einen ermutigt, auch andere Dinge zu zeichnen.

Es geht auch gar nicht um das perfekte Bild, sondern wie gesagt darum, sich selbst mit seinem Leben auseinander zu setzen, die Fülle anzuerkennen, zu sehen, was es alles schon Tolles im eigenen Leben gibt und darum, diese Erinnerung fest zu halten, nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Herzen. Das geht auch mit ganz einfachen Zeichnungen.

Um leichter anzufangen, könnte man sich überlegen, ob es etwas gibt, das man immer wieder auf einer Seite haben möchte, wie zum Beispiel das Datum oder das Wetter oder wie man sich fühlt. Dann hat man schon mal begonnen, die Seite zu füllen und kommt schneller ins Tun.

Ich mache es so, dass ich tagsüber meistens Fotos von bestimmten Situationen mache, die ich dann am Abend oder am nächsten Tag abzeichne. Viele denken, es wäre Trickserei, etwas abzumalen. Aber das ist ein großer, großer Irrglaube! Definitiv braucht es Referenzbilder – entweder das echte Leben, das man durch seine Augen gerade vor sich sieht oder durch Fotos. Kein Mensch kann anfangen, korrekte Bilder aus dem Gedächtnis zu zeichnen. Zu diesem Punkt kommt man erst durch sehr viel Übung (es sei denn, man hat ein fotografisches Gedächtnis, aber wer hat das schon?!). Die meisten Künstler, die das können, zeichnen auch immer wieder die gleichen Objekte oder Menschen, von denen sie dann sehr gute Konzepte im Kopf haben, um diese auch ohne Fotos oder Bilder vor Augen malen zu können. Und dann ist es so, dass jemand, der hauptsächlich Menschen zeichnet und dies auch ohne Referenz kann, in der Regel keine Häuser aus dem Kopf zeichnen kann – und umgekehrt. Das ‚Problem‘ bei uns Anfängern oder Wiedereinsteigern ist ja, dass wir nur Konzepte von Motiven im Kopf haben und daher nicht so zeichnen, wie etwas wirklich aussieht.

Nutze also auf jeden Fall Referenzbilder für deine Zeichnungen! Genau dadurch setzt du dich auch mit seinem Leben viel intensiver auseinander. Wann immer es geht, zeichne ich auch zwischendurch etwas, wenn ich es in echt vor mir sehe. Das geht aber eigentlich nur bei Objekten und nicht bei Menschen – erst recht nicht mit meinen Kindern ☺️. Ich könnte auch einfach Skizzen machen und kurz das Wichtigste einfangen, aber ich möchte mir für das Malen Zeit geben und durch das genaue Hinsehen das Zeichnen wirklich lernen. Das ist aber natürlich jedem selbst überlassen, wie er das angeht. Wichtig ist nur, dass man es macht, wenn man sich denn dazu entschlossen hat. 😉

Eine gute Übung, um Menschen zeichnen zu üben ist auch, Menschen aus der Zeitung zu malen oder prominente Persönlichkeiten, Figuren aus Filmen oder jemanden, der einen schlauen Satz gesagt hat, den man eh festhalten möchte. Ich liebe ja Zitate und könnte den ganzen Tag nur Zitate malen und dazu den Menschen, der ihn gesagt hat.

Aber es müssen auch keine Menschen sein. Nutze gerne die Liste oben als Anregung und dann schau dich bei dir um und frage dich: Was ist mir wichtig? Was möchte ich auf dem Papier verewigen?

Illustriertes Journal für Reisen

Es gehört zwar zum Illustrierten Tagebuch dazu, wenn man auf Reisen geht, dass man dann Zeichnungen macht, die mit der Reise zu tun haben, aber ich möchte den Punkt hier noch einmal extra aufführen, weil ich ihn so schön und wichtig finde.

Kennst du das, wenn man auf Reisen ist und tausende Fotos macht und außerdem Souvenirläden aufsucht, um sich Mitbringsel zu kaufen, die zu Hause eh meistens ihre Magie verlieren? Und trotzdem verblassen die Erinnerungen im Alltag wieder viel zu schnell.

Daher sind die allerbesten Andenken doch selbst gemalte Zeichnungen von unseren Reisen. Außerdem passiert dann dort dasselbe wie zu Hause: wir fangen an, genauer hin zu sehen, sind achtsamer und nehmen viel mehr wahr. Wir lernen vielleicht sogar mehr über die Kultur eines anderen Landes, schauen uns die Menschen genauer an und sind nicht nur auf der Jagd nach Sehenswürdigkeiten. Gerade das alltägliche Leben dort ist doch das Spannende! Ich mag z.B. den Blick in kleine Hinterhöfe in einer italienischen Stadt und Plätze abseits des Trubels.

Manche entspannte Urlaube eignen sich besser zum Malen als andere, habe ich festgestellt. Als wir zuletzt eine Woche in Cornwall waren und jeden Tag von morgens bis abends unterwegs waren, war ich abends zu kaputt, um zu zeichnen. Ich habe aber immerhin geschafft, jeden Tag aufzuschreiben, was wir gemacht haben und möchte später noch Bilder aus diesem Urlaub zeichnen. Auch das wird schön, wenn ich mich dadurch daran zurück erinnern kann. In Zukunft würde ich aber bei dieser Art von Urlauben versuchen, auch tagsüber zu zeichnen und dadurch vielleicht auch länger bei meinem Motiv zu verweilen, es intensiver zu betrachten und viel präsenter zu sein.

Im Sommerurlaub an einem See in Brandenburg hingegen, habe ich regelmäßig gemalt und das sehr genossen. Dort hatte ich auch wirklich die Zeit, tagsüber zu malen. Wenn ich an diesen Urlaub denke, habe ich sofort meine Bilder im Kopf, die ich gemalt habe und die Erinnerungen an den Urlaub kehren zurück, obwohl wir da nicht so viele spektakuläre Sachen erlebt haben – Sachen, die ich garantiert schon wieder vergessen hätte, wenn ich sie nicht gemalt hätte.

Malen als Tool zum Reflektieren oder zur Persönlichkeitsentwicklung

Weil das Malen ja auch eine Menge für mich getan hat in Bezug auf die Persönlichkeitsentwicklung (siehe auch diese Artikel: Warum du unbedingt wieder malen solltest und Das richtige Mindset beim Malen), hatte ich die Idee, dass es mit Sicherheit sehr hilfreich ist, das Malen auch speziell dafür zu nutzen.

Hier meine Ideen dafür:

  • Anstatt mich zu fragen, was ich malen kann, frage ich mich, wie ich mich fühle und wie ich das in einem Bild umsetzen kann.
  • Ich reflektiere in meinen Bildern Dinge meines Lebens, z.B. Dinge, die gut laufen, auf die ich stolz bin und wo ich mich erfolgreich fühle. Es ist wie gesagt, sehr wichtig, seine Erfolge zu feiern, weil es einen dann immer mehr in diese Richtung zieht, die einen gut fühlen lässt.
  • Ich reflektiere aber auch Dinge, mit denen ich kämpfe und die ich durch das Malen verarbeite – allein schon deshalb, weil ich sie nach außen bringe
  • Ich lettere auch gerne Songzeilen oder eben Zitate, die mich berühren und male etwas dazu. Alle Zitate, die ich nur lese oder auch aufschreibe, verschwinden schnell wieder aus meinem Kopf, wenn ich sie mir nicht immerzu anschaue. Wenn ich etwas dazu male, brennt sich die Botschaft in meinem Gehirn ein und hat auch eine viel stärkere Wirkung auf mich und mein Unterbewusstsein. Bilder sind ja auch die Sprache des Unterbewusstseins, nicht Worte!
  • Ich male Bilder, die aus der Meditation hoch kommen oder die ich träume – um sie festzuhalten und um beim Malen über ihre Bedeutung nachzudenken – wobei das irgendwie kein bewusstes Nachdenken ist, sondern eher ein ‚gefühltes‘ Reflektieren
  • Auch Affirmationen ergeben prima Bilder
  • Ich male Dinge für mein Visionboard: wer und wie bin ich dann? Welche Visionen habe ich von meinem Leben in  5 Jahren? Wo bin ich? Wer ist bei mir? Was sind meine Ziele? Wie geht es mir? Ich bin mir sicher, dass durch das Malen ein viel intensiverer Prozess in Gang gesetzt wird, als wenn ich nur Worte oder ausgeschnittene Bilder aus Zeitschriften o.ä. an das Visionboard hänge. Ich würde z.B. gerne zumindest für eine Weile in Cornwall leben und dort malen, es fließen lassen, mich dort künstlerisch frei ausdrücken, am Meer …
  • Dinge von der Löffelliste – das sind Dinge, die ich erleben möchte in meinem Leben.
  • Dadurch, dass ich Dinge aus meinem Leben male, wie ich es oben angesprochen habe, zeichne ich Dinge, für die ich dankbar bin und sehe viel mehr die Fülle und das Schöne in meinem Leben.
  • Ich mache beim Malen auch gerne eine Übung zum inneren Los lassen. Immer, wenn ich eine neue Farbe nehme, versuche ich, in mich hinein zu spüren, wo ich angespannt bin: meistens in den Schultern, im Bauch und/oder im Brustkorb. Dann halte ich inne, atme dort hinein und lasse die Anspannung ziehen. Es ist mir schon oft passiert, dass ich beim Malen nicht mehr richtig atme oder gar die Luft anhalte. Dabei will ich doch gerade dabei Entspannung und Ich-Zeit zelebrieren.

Durch die Aufmerksamkeit, die ich beim Malen und dann auch mit den fertigen Bildern auf etwas projiziere, das ich mir wünsche oder das ich los werden möchte, konnte ich schon einige Dinge lösen. Nebenbei ist es das Malen auch immer wieder eine Übung in Selbstannahme und Achtsamkeit darüber, wie ich mit mir selbst spreche. Dann kann ich mich immer wieder bewusst entscheiden, dass ich diesen inneren Kampf los lassen kann: dieses ständige ‚Ich sollte ..‘, ‚das müsste so sein …‘, ‚Ich darf nicht …‘ etc. Insofern schaffe ich mir durch das Malen immer wieder Inseln des inneren Friedens, was unglaublich entspannend ist.

Die Kreativität füttern und anregen

Falls du noch mehr Input brauchst, um auf Motiv-Ideen zu kommen, dann füttere deine Kreativität.

Folgende Ideen kann ich dir wärmstens ans Herz legen:

  • Mit offeneren Augen durch die Welt gehen – lass dich vom echten Leben inspirieren, z.B. nimm dir dein Handy und gehe los – fotografiere, was dir ins Auge fällt, ein Blatt mit seinen Blattadern, eine Mauer, Wolken, Farben, Formen, Muster, Schrift auf Werbung, eine Blume … du kannst dir auch vornehmen, nur rote Sachen zu fotografieren oder alles, was mit dem Anfangsbuchstaben deines Vornamen anfängt, bei mir A …
  • Mach was anderes: Sport, spazieren gehen, mit jemandem telefonieren oder ihn treffen
  • Schlafen – Dali hat beispielsweise gesagt, dass ihm die besten Ideen immer im Schlaf gekommen sind
  • Ein neues Buch über das Zeichnen kaufen
  • Onlinekurse belegen
  • Einen Disney-Film gucken, wenn man diese Zeichnungen mag (so wie ich 😊) oder auch Nicht-Animations-Filme, aus denen man eine Begebenheit, ein Zitat oder anderes Denkwürdige mitnehmen kann
  • Inspiration bei Instagram, Pinterest oder Google suchen
  • Alte Screenshots durchforsten
  • Kinderbücher anschauen
  • Sammle Ideen – lege dir einen Ordner in deinem Handy an, in einer Notizapp, Pinterest-Board oder schreib es gleich in dein Skizzenbuch: sammle Worte, Mal-Ideen, Zitate, Begebenheiten, Bilder anderer Künstler …

Fazit

Ich bin mir sicher, du hattest jetzt schon einige Ideen und Gedankenblitze, was du malen könntest. Gehe gerne meine Listen noch einmal durch und schreibe dir ein paar Dinge heraus. Und dann brainstorme und sammle weitere Ideen. Gerade das Sammeln geht nicht von heute auf morgen. Aber irgendwann hast du so viele Ideen, dass du gar nicht mehr weißt, wohin damit. Dann ist es natürlich wichtig, dich nicht davon überwältigen zu lassen. Hör am besten einfach auf dein Herz und male das, was gerade im Moment für dich bedeutsam ist. Auf dass es dir nie wieder an Ideen mangelt. 🙌🏻

4 Kommentare

  1. Dieses Gefühl habe ich auch oft. Danke du bist echt eine große Hilfe, ich finde es toll wie du schreibst!!!

    • Vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Ich freue mich sehr, dass dir mein Artikel weiter geholfen hat 😍

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