Warum malen gut tut: die 10 besten Gründe, um (wieder) zu malen

Warum malen

Kann ich wirklich jetzt noch mit dem Malen anzufangen? Früher habe ich ja gerne gemalt, aber heute kann ich das nicht mehr, oder? Und wozu auch? Was bringt mir das Malen? Aus welchem Grund sollte ich malen? Ich habe doch eh viel zu viel anderes zu tun …

Ich möchte dir zeigen, warum das Malen auch für uns Erwachsene noch wichtig ist, ja sogar heilsam und was es noch für uns tun kann. Denn das ist eine ganze Menge …

Vorab: Was bedeutet für mich Malen? Ich verwende die Begriffe zeichnen und malen gerne als Synonyme, obwohl sie eigentlich nicht das Gleiche bedeuten. Aber zeichnen hört sich für mich so technisch an, malen klingt viel wohlwollender und nach dieser kindlichen Aktivität, die ich damals so geliebt habe und auch heute noch liebe. Ich meine hier sowohl zeichnen als auch malen und illustrieren.

Tief in mir drin wusste ich seit vielen Jahren, dass mir die Kreativität im Leben fehlt und dass ich mich dazu hingezogen fühle. Wenn du auch Lust dazu hast, dann hat das seinen Grund! Diese Sehnsucht nach dem kreativen Ausdruck sollte man wirklich ernst nehmen. Also male! Für dich! Weil du es möchtest und dich ernst genug nimmst und genug wert schätzt, um dir die Zeit zu nehmen, um dir selbst dieses Geschenk zu machen.

Nun kann ich mir vorstellen, dass da trotzdem die Stimmen sind, die es dir ausreden wollen. Sie sagen: Malen ist nur etwas für Kinder, ich bin erwachsen, ich habe keine Zeit und keinen Platz für sowas, ich habe kein Talent dafür … blablabla … Wie du diese Ausreden ein für allemal auflösen kannst, kannst du in dem Artikel nachlesen, was uns so oft abhält vom Malen.

Obwohl der Grund, etwas für dich selbst zu tun – aus Selbstwertschätzung – ausreichen sollte, wieder damit anzufangen, möchte ich dir gerne noch andere Gründe aufzählen, warum du wieder mit dem Malen anfangen solltest. Ich habe sie jedenfalls gebraucht. Meine Stimmen im Kopf waren nicht so leicht zu besänftigen. 😉 Ich hoffe, sie helfen auch dir! Unser erwachsener Verstand braucht offensichtlich Argumente 😉

Noch eins vorweg: Male nicht für Lob oder Anerkennung von anderen. Dann sitzt du immer in der Falle und fragst dich, was wohl andere von dir und deinen Bildern denken könnten. So kannst du nie frei erschaffen. Ich zeige dir viel, viel bessere Gründe. Denn vom Malen können wir für unser ganzes Leben lernen und umgekehrt. Los geht’s …

Mache dein inneres Kind beim Malen glücklich

Hier gebe ich dir einen allgemeinen Überblick, was malen für mich bedeutet und welche Gefühle ich damit verbinde.

Beim Malen mache ich mein inneres Kind glücklich! Das ist die Kurzform 😊.

Weißt du noch, wie du dich gefühlt hast als Kind, wenn du gemalt hast? Schließe einen Moment die Augen und betrachte dich. Sieh das Kind vor dir, das du warst, wie es malt. Wo sitzt du? Was für Papier und Stifte hattest du? Fühle hinein, wie es dir in diesen Momenten ging.

Mach mal. Jetzt!

… Ich warte auf dich!

Was hast du gesehen und gefühlt? War diese Zeit nicht unglaublich kostbar? Bestimmt warst du selbstvergessen, bist völlig im Moment aufgegangen – heute würde man sagen, du warst im Flow, nichts anderes war wichtig. Vielleicht hattest du ein Gefühl von Leichtigkeit und Schweben. Vielleicht fühltest du dich tatenkräftig und voller Energie. Du hattest Freude am ausprobieren und experimentieren und hast alles um dich herum völlig vergessen, die Zeit sowieso, wenn sie schon eine Rolle gespielt haben sollte in diesem Alter. Dann hattest du vielleicht noch mehr Ideen und es ist nur so aus dir heraus geflossen. Hemmungen gab es nicht! Hinterher war es wie ein Aufwachen. Du hast plötzlich wieder deine Umgebung wahr genommen und wo du bist. Du hast dein Bild voller Stolz betrachtet und warst einfach glücklich. Du hast etwas geschaffen. Du hast etwas aus deinem Inneren nach außen auf das Papier gebracht und dich und deine Welt damit ausgedrückt.

Alleine für diese Gefühle lohnt es sich, sich die Freude zu machen und sich zu erlauben, wieder zu malen. Es braucht tatsächlich nur deine eigene Erlaubnis! Warte nicht auf die Erlaubnis von deinem Partner, deinen Eltern oder deinen Freunden. Erlaube es dir selbst! Und nein, es ist nicht egoistisch, sich Zeit dafür zu nehmen, denn es ist Zeit für DICH! Wenn du es schaffst, dir deine eigene Selbstfürsorge-Zeit zu nehmen, hast du später auch wieder viel mehr Kraft und Ressourcen, um für andere da zu sein. Aber erst kommst du! Im Flugzeug sollst du ja auch zuerst dir selber und dann erst anderen die Sauerstoffmaske aufsetzen, denn anders herum funktioniert es nun einmal nicht!

Wenn du nun mit dieser Intention an das Malen heran gehst, offen bist, dich am Prozess erfreust, dir erlaubst, Dinge auszuprobieren und Fehler machen zu dürfen und es als Geschenk für dich selbst ansieht, dann wird es dir gut tun. Das ist Erfolg beim Malen. Ich möchte meinen Erfolg nicht davon abhängig machen, ob ich ein Meisterwerk erschaffe oder nicht. Ehrlich gesagt gelingt mir das recht selten. Doch wir können lernen, auf konstruktive Art und Weise mit dem inneren Kritiker umzugehen. Dazu kommen wir später …

Ich möchte beim Malen die Leichtigkeit spüren, den Flow, die Alltagssorgen vergessen, mich entschleunigen, bei mir selbst ankommen, mich selbst annehmen und stolz auf mich sein, dass ich mich selbst ernst nehme und auf mein Herz höre.

Wenn du gerade wieder anfangen möchtest zu malen, dann kann ich dir sehr empfehlen, dass du es (momentan zumindest) für diese Gefühle machst, nicht für das Ergebnis. Natürlich kann ein Meisterwerk dabei heraus kommen, aber das muss es nicht! Mal gefällt dir das Ergebnis, dann wieder nicht. Wahrscheinlich ist es sogar so, dass es öfter nicht deinen Erwartungen entspricht. Das Thema Erwartungen ist übrigens auch noch mal ein Thema für sich … Es ist ok, wenn es nicht so ist, wie du dir das vorgestellt hast! Es sagt nichts über deinen Wert  aus. Es heißt nicht, dass du es nicht kannst! Lies dazu unbedingt auch diesen Artikel: Warum du kein Talent brauchst, um zu malen.

Im Gegenteil: male umso mehr, dann sinkt der Anspruch, dass jedes Bild ein Meisterwerk sein muss. Es gibt ein Zitat von Chuck Jones, das lautet:

“Every artist has thousands of bad drawings in them and the only way to get rid of them is to draw them out.”.

Also frei übersetzt: Jeder Künstler hat Tausende von schlechten Zeichnungen in sich und der einzige Weg, sie los zu werden ist, sie aus sich heraus zu zeichnen.

Also mache dir selber das Geschenk und male so oft und so viel wie möglich.

Jetzt möchte ich dir im einzelnen zeigen, was du durch das Malen für dein Leben lernen kannst und wie es dir helfen kann.

Grund Nr. 1: Hab Spaß! Sei wieder Kind

Hast du als Kind darüber nachgedacht, ob du malen ‚kannst‘? Ob jede Proportion einer Figur stimmt oder die Perspektive der Gebäude? Sicherlich nicht. Du wolltest etwas ausdrücken, etwas darstellen und zeigen mit deinen Bildern. Du hast dir keine Gedanken darüber gemacht, ob das Bild auch ja schön genug wird, damit du es auch vorzeigen kannst.

Heute ist es oft so, dass wir uns gar nicht trauen, anzufangen, denn es könnte ja blöd aussehen. Und wieso sollte man sich das antun? Zeit für etwas zu vergeuden, das sich am Ende nicht auszahlt, weil das Ergebnis nicht schön aussehen wird. Ts… also nein!

Doch stell dir noch einmal vor, wie es wäre, wieder wie ein Kind zu malen, Dinge auszuprobieren, zu experimentieren, wie aufregend es ist, Neues zu lernen … ‚Kannst‘ du zeichnen? Darauf kommt es – gerade am Anfang – gar nicht an! Wahrscheinlich ist es so, dass dir Wissen oder Inspiration fehlt. Du hast deine Fähigkeit lange nicht genutzt  – oder denkst, du sie ist bei dir so gut wie gar nicht vorhanden. Lass mich dir sagen: sie ist ausbaufähig, doch das sind alles Dinge, die du lernen kannst! Und zwar mit Leichtigkeit, in deinem Tempo und du kannst dich genau darauf konzentrieren, was du zeichnen möchtest: Menschen, Gegenstände, Landschaften, Stadtansichten (Stichwort Urban Sketching) … oder alles 🙂 Du kannst Materialien ausprobieren so viele du möchtest, bis du auf deine Lieblingsmaterialien stößt. Gib dir die Erlaubnis, lernen und ausprobieren zu dürfen. Woher sollst du wissen, welches deine liebsten Materialien sind oder wie man Augen und Nasen malt, wenn du es nicht ausprobierst, Fehler machst und lernst? Fühle dich frei, wieder Kind zu sein! Oder – wenn du es anders ausdrücken möchtest: Anfänger zu sein. An eine neue Fähigkeit mit einem Anfänger-Mindset heran zu gehen ohne große Erwartungen, dafür mit Leichtigkeit und Vorfreude ist die beste und einfachste Art und Weise, etwas Neues zu lernen.

Vertraue darauf, dass jeder malen kann. Kinder können es, du kannst es auch. Du hast es nur lange nicht getan. Lass dich fallen, nimm das Malen nicht so ernst und genieße deine Zeit. Es gibt kein richtig oder falsch, nichts zu erreichen und nichts zu verlieren. In dieser Welt, in der es immer nur darum geht, die nächste Stufe von etwas zu erreichen, ist Malen eine wunderbare Gelegenheit, du selbst sein zu können und dich einfach liebevoll um dich zu kümmern. Stress und Druck braucht es hier definitiv nicht! Entspanne dich. Es ist nur malen, nicht der Weltfrieden und keine Operation am offenen Herzen ;). Du kannst alles lernen, was du lernen möchtest!

Lass es für dich Freude bedeuten. Lass es zu. Und glaube mir: das geht definitiv und zwar ganz wunderbar!

Grund Nr. 2: Finde deine eigene innere Stimme und verbinde dich mit deiner Intuition

Oft haben wir uns durch unsere eigene Erziehung weit davon entfernt uns selbst zu spüren. Wir hören darauf, was wir sollen und müssen – was unsere Eltern, unsere Freunde, die Gesellschaft erwarten. Wann hast du DICH das letzte Mal gespürt? Wann hast du das letzte Mal gehört, was dein Herz sagt oder hast du ihm überhaupt je zu gehört? In einer Krise  vor einigen Jahren, fragte mich eine Freundin: Was möchtest DU? Ich wusste es nicht. Was erschreckend für mich war. Ich habe mich das selbst so lange nicht gefragt und ich antwortete mehr oder weniger verzweifelt: Ich habe keine Ahnung. Meine innere Stimme spricht nicht mit mir. Ich höre nichts. Ich weiß einfach nicht, was ich will.

Mit der Zeit habe ich gelernt, wieder in mich zu gehen und mich zu fragen, was ICH eigentlich möchte, was MIR wichtig ist. An diesem Punkt wurde mir klar, dass ich nie etwas anderes tun wollte als Malen – einen Wunsch, den ich jahrelang tief in mir verschlossen hatte. Ich fing also wieder intensiver damit an und ich wollte meine innere Stimme von da an auch nie wieder verlieren.

Ich wusste, ich möchte malen und doch fiel es mir so oft schwer, einfach damit anzufangen. Hatte ich schließlich angefangen, dachte ich oft (ok, es kommt sogar immer noch manchmal vor): So und so muss ich das jetzt malen. Wie ich es bei Ida A und Berta B gesehen habe oder in dieser Zeitschrift oder bei Instagram. Bis mir klar wurde: Quatsch! Inspiration ist gut, aber sich zu vergleichen und Erwartungen an sich stellen, die einem nicht selbst entsprechen, sind Gift für die eigene Kreativität. Denn darum geht es doch: dass du zu deinem EIGENEN Ausdruck kommst! Dass du dich selbst wahrnimmst, auf deine Intuition hörst, deine Bedürfnisse kennst und dadurch zu deiner inneren Stimme findest, die sich durch das Malen ausdrücken darf. Was findest DU schön? Welche Motive möchtest du auf dem Papier einfangen, wie und wo und wann möchtest du malen? Ja, DU! Frage dich das, denn du bist wichtig!

Auf dieses Thema gehe ich in dem Artikel, wie du deinen eigenen Zeichenstil findest bzw. warum du gar nicht mehr suchen musst, detailliert ein.

Andere nachzuahmen misslingt sowieso, da jeder eine eigene Handschrift hat. Das Malen lehrt mich, mich an meinem eigenen Prozess und meinen Ergebnissen zu erfreuen. Denn das bin ich und das kann sonst keiner!

Außerdem ist es nicht so, dass jemand anderes einem etwas weg nimmt, wenn er eine ähnliche Idee umgesetzt hat. Begib dich nicht in dieses Mangeldenken. Erfreue dich an Kreationen von anderen und setze deine Idee dennoch selber um. Es wird etwas ganz eigenes Tolles heraus kommen! Finde deinen eigenen Ausdruck. Und das wirst du, wenn du dich auf den Weg begibst.

Das logische Denken mit der linken Hirnhälfte wird im Erschaffensprozess nach hinten gedrängt. Es ist immer nützlich, die Grundlagen zum zeichnen, zur Farbtheorie o.ä. und Kniffen zu beispielsweise Aquarellfarben zu kennen, aber zu Malen ist ein wenig wie meditieren, wenn man in so einen Flow kommt – weg vom Denken. Viele Entscheidungen trifft man unbewusst und lässt sich leiten von seinem sechsten Sinn, z.B. welche Farbe man als nächstes nimmt. Und das ist gut so. Denn so lernt man auch für das Leben, lernt, sich immer besser auf seine Intuition zu verlassen und diese innere Stimme überhaupt zu hören. Man entdeckt sich selbst mit all seinen Wünschen und Gedanken – erst beim Malen und später in allen möglichen Situationen.

Grund Nr. 3: In den Schöpfermodus kommen

Durch den Vorgang des Erschaffens fühle ich mich kraftvoll und gestärkt. Es führt mich in den Schöpfermodus und zeigt mir, was alles möglich ist, obwohl ich es vorher selbst vielleicht nicht wirklich geglaubt habe – nicht an mich geglaubt habe. Ich erlebe meine Selbstwirksamkeit wieder, also dass das, was ich tue, ein Ergebnis oder eine Antwort erzeugt und etwas bewirkt. Ich kann etwas erschaffen! Etwas, das in dieser Form vorher nicht da war!

Wir können noch so viel darüber nachdenken – nur durch das Tun fühlen wir die Vorteile einer Beschäftigung und lernen das Malen wirklich kennen.

Mir selbst fällt es oft verdammt schwer, ins Handeln zu kommen. Ich lese und lese und lese, ich schaue Videos, hier noch ein Video über die Aquarelltechnik, da noch ein Buch zum Thema Körper malen und dann ist es so viel auf einmal und meine wertvolle Zeit ist auch schon wieder ins Land gegangen, so dass ich mir am Ende sage: Morgen ist ja auch noch ein Tag. Am nächsten Tag denke ich: wie war das nochmal mit dieser Aquarelltechnik? Ich muss nochmal nachschauen … grrrr… Wie man unschwer erkennen kann, kommt man so selten ins Handeln. Umso besser fühle ich mich, wenn ich dann einfach anfange und ins Erschaffen komme. Das passiert meistens an dem Punkt, wenn ich die Nase voll habe davon, weitere Infos zu konsumieren und wirklich einfach los lege.

Dabei wächst mein Selbstvertrauen – jedes Mal, wenn ich mich aus meiner Komfortzone traue und anfange zu erschaffen, fühle ich mich ein stückweit unbesiegbar. Herrlich! Anleitungen sind gut und wichtig, aber an irgendeinem Punkt muss man sie auch einmal umsetzen. Und dann erkenne ich: Dieses Bild existiert nur durch mich! Nur weil ich Stift und Papier in die Hand genommen habe und gelernt habe, wie man dieses und jenes am besten malt – nur deswegen gibt es dieses Bild jetzt. Es fühlt sich gut an, der Welt etwas zu hinterlassen, das ich erschaffen habe. Ich denke – oder zumindest hoffe ich es – dass meine Bilder, die ich zum Beispiel von meinen Kindern male, einmal wertvoll sein werden für sie. Ich habe eine Zeichnung, die mein Onkel von mir gemalt hat als ich 5 Jahre alt war und sie ist mir enorm wichtig.

Grund Nr. 4: Füttere deinen Elefanten – ähhhm … also dein Unterbewusstsein 😉

Bilder wirken auf unser Unterbewusstsein – viel mehr als die Sprache. Daher können sie einiges in Bewegung setzen, wenn sie für uns bedeutungsvoll sind und gefühlsmäßig etwas in uns auslösen. Ich zeichne z.B. gerne Dinge, für die ich dankbar bin in mein Journal, Bilder für mein Vision-Board oder ich male Affirmationen, an die ich mich unbedingt immer erinnern möchte. Dieses hier ist z.B. ein Mutmacher für mich, dass ich mich etwas trauen darf und dass ich auf jeden Fall nur gewinnen kann, auch wenn nicht alles nach Plan läuft:

Malen von Affirmationen für das Unterbewusstsein.
Shoot for the moon. Even if you miss, you’ll land among the stars.

Diese Bilder brennen sich mir nicht nur ins Gedächtnis ein, sondern auch in mein Unterbewusstsein und mein emotionales Gehirn, was bedeutet, dass sie auf einer tieferen Ebene wirksam werden. Denn nicht nur, wenn ich das Bild sehe, löst es etwas in mir aus, sondern bereits im Erschaffensprozess setze ich mich intensiv mit der Aussage auseinander – zeitlich, inhaltlich und gefühlsmäßig. Diese Bilder und das, was sie aussagen, sind für mich immer präsent, selbst wenn ich sie gerade nicht sehe. Das macht das Malen für mich noch viel bedeutungsvoller. Und das Beste ist: das kann jeder ebenfalls lernen zu tun!

Durch das Malen kann ich auch oft Situationen in meinem Leben reflektieren. Ich hole sie aus dem Unterbewusstsein auf das Papier und kann so über Situationen nachdenken und sie lösen. Durch das Malen von Gedanken, Gefühlen, inneren Dialogen kommt man sich selbst immer besser auf die Spur und setzt sich ganz anders mit seinem Innenleben auseinander.

Grund Nr. 5: Mehr Achtsamkeit und das Leben intensiver wahrnehmen

Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.

Pearl S. Buck

Dies ist einer meiner Lieblingspunkte. Zum Malen gehört nicht nur, den Stift auf das Papier zu setzen und dort Spuren zu hinterlassen. Nein, es ist so viel mehr, vor allem auch das richtige Hinschauen. Es gibt mir einen anderen Blick auf die Dinge um mich herum. Ich bin viel achtsamer und schaue genauer hin. Dadurch bin ich viel präsenter im Hier und Jetzt, statt in Gedanken schon wieder bei den nächsten fünf Aufgaben zu sein. Ich schaffe es viel mehr, den Fokus auf die schönen – oftmals nur kleinen – Dinge in meinem Leben zu lenken und dadurch zu sehen, wie erfüllt und wundervoll mein Leben ist. Ich kann mir nichts Bereicherndes vorstellen. Intensiver kann man sein Leben eigentlich gar nicht zelebrieren als wenn man diesen Blick entwickelt.

Malen hat vor allem mit dem richtigen Sehen zu tun. Selbst wenn ich nicht male, schaue ich genauer auf die Dinge, die mich umgeben, auf Muster in Zeitschriften, auf die Wolken, auf die Nase seiner Kinder ;). Ich frage mich oft, wenn ich etwas betrachte: Wie würde ich dies und jenes zeichnen? Wie könnte ich die Form einfangen? Wie die Farbe dieser Wolke im Sonnenuntergang zusammen mischen? Ist der See blau oder grün? Was für ein blau? Diese Gedanken bringen einen voll und ganz in den Moment. Man schaut wirklich einmal wieder hin anstatt in Gedanken ganz woanders zu sein und die schönen Dinge des Lebens gar nicht wirklich zu sehen. Man fängt an, sich ganz anders mit der Umwelt auseinander zu setzen – sieht Linien, erkennt Formen, Schattierungen, Farben, Texturen – als wenn man nur ein schnelles Foto schießt.

Ich habe vor einiger Zeit angefangen, die wichtigsten Momente meines Lebens (auf Reisen täglich, im Alltag wöchentlich) einzufangen. Erst habe ich diese Dinge nur aufgeschrieben. Ich liebe es zu schreiben! Seitdem ich 11 bin, schreibe ich Tagebuch. Aber was ich mir wirklich merke, auch wenn ich mir mein Notizbuch nicht wieder anschaue, sind die Erinnerungen, die ich gemalt habe. Malen ist besser als aufschreiben. Beim Malen bin ich wirklich im Moment. Ich sehe und fühle ihn, so wie er ist. Das äußert sich im Nachhinein so, dass sich der Moment in mein Gehirn eingebrannt hat. Die Erinnerungen bleiben lebendiger.

Der Bonus an dieser Art zu sehen ist, dass man anfängt, im Alltag überhaupt nach solchen Momenten Ausschau zu halten. Das lenkt den Fokus auf die schönen Dinge des Lebens und magischerweise gibt es davon immer mehr, je mehr man danach sucht. 😉

Grund Nr. 6: Einfach im Moment sein und die Dinge nicht zerdenken

Silence your mind. Pick up a pencil and draw.

Mit dem vorigen Punkt verbunden ist folgender: Es gibt diesen Spruch: Wenn du isst, dann iss. Wenn du läufst, dann laufe usw. Ich möchte ihn erweitern um: Wenn du malst, dann male. Das Malen offenbart seine Vorteile nur, wenn du wirklich in den Moment kommst. Also komme aus dem Zustand heraus, in dem du über alles 1000 mal nachdenkst und dann die Frage umdrehst und nochmal aus tausend anderen Blickwinkeln darüber nachdenkst. Auf die Art und Weise wirst du immer mehr und mehr nachdenken und kommst zu keinem Ende. Sowas kenne ich jedenfalls von mir nur zu gut, *hüstel.

Beim Malen hast du die Möglichkeit, in den Zustand des Seins zu kommen, dich wirklich mit dir selbst zu verbinden und den Moment zu fühlen.

Just be - beim Malen in den Seinszustand kommen.
Just be – einfach nur sein, nichts erreichen wollen, sondern sich zu entspannen und man selbst zu sein. Was wunderbar kling, ist eine Herausforderung – aber eine, an der es sich jeden Tag zu arbeiten lohnt.

Grund Nr. 7: Entschleunigung. Konzentration. Sich erden. Meditation

Auch dieser Punkt ist eng mit den vorigen verknüpft. Das richtige Sehen und auf das Papier bringen dieses Sehens funktioniert nur, wenn man sich herunter fährt, langsamer wird, langsam beobachtet und langsam den Stift führt. Wenn man in Eile ist, funktioniert es nicht. Malen beruhigt. Ich werde beim Malen das Gefühl des Getrieben-Seins los, also das Gefühl, bei der einen Sache schon wieder an die nächste zu denken und mich zu fragen, wie, wann und ob ich alles schaffe.

Malen verlangsamt bei mir nicht nur meinen Herzschlag, weil ich langsamer werden muss, sondern auch, weil ich im Hier und Jetzt ankommen muss. Alle anderen Gedanken müssen draußen bleiben – ähnlich wie beim Yoga oder bei der Meditation. Meditieren kann allerdings schwer fallen … Beim Malen kommt man innerlich bei sich an, weil man seinem Geist in diesem Moment etwas zu tun gibt, so dass er sich nicht auf Alltagsprobleme oder andere Sorgen konzentrieren kann.

Die Aufgabe beim Malen ist es, tätig zu sein und zu malen – im Moment zu sein und nicht, etwas für die Zukunft zu erreichen wie es bei fast allen anderen Dingen ist, die wir tun. Man findet Erfüllung, weil man sich fallen lässt. Es geht nur darum, zu SEIN und den Moment zu genießen.

Grund Nr. 8: Umgang mit der Angst und dem inneren Kritiker. Inneren Frieden finden

Der innere Kritiker ist ein ganz übler Bursche! Er kann einem so vieles im Leben verderben! Er ist in der Regel der Schuldige, wenn wir uns schon mal getraut haben und angefangen haben zu malen und dann wieder aufhören (wenn wir gar nicht erst anfangen, ist meistens noch ein anderer Schurke beteiligt: der innere Schweinehund. Ganz üble Brüder, die Beiden!).

Der innere Kritiker verursacht furchtbar miese Gefühle. Wenn er zu uns spricht, möchten wir am liebsten alles hin schmeißen. Wir fühlen uns nutzlos und denken: logisch, wie konnte ich auch nur annehmen, dass ich malen kann? War ja klar. Es stimmt halt. Ich kann das einfach nicht!

Doch Stopp!!! Glaube diesem Schurken nicht!!! Identifiziere dich nicht mit diesen Gedanken! Vergegenwärtige dir, dass es nur ein Gedanke ist, dass dein Bild Schrott sein soll. Woher sollst du es denn können? Du musst dir Zeit und Raum geben zu lernen. Lass dich nicht persönlich beleidigen und runter ziehen von dem Kerl! Ein Bild, das nicht deinen Erwartungen entspricht, bedeutet NICHT, dass du nicht malen kannst. Ich wiederhole: Er lüüüügt! Es ist einfach nicht wahr, was er sagt.

Das Malen offenbart mir immer wieder, wie ich mit mir selber spreche. Ich komme immer wieder an den Punkt, an dem ich mich bewusst mit meinem inneren Kritiker auseinander setzen muss und die Bewertungen oder sogar Verurteilungen fallen lassen kann. Das tut mir für alle Bereiche des Lebens unheimlich gut, denn diese Stimme ist immerzu da. Doch entscheide ich mich nun immer öfter und immer schneller, den höchstmöglichen Gedanken über mich zu denken, der da heißt: Ich bin wertvoll und ich muss nichts und niemandem etwas beweisen, nicht einmal mir selber. Ich erschaffe einzig und allein aus der Freude an der Sache! Insofern ist das Malen unglaublich wichtig, weil ich lerne, mir bewusst die negativen Gedanken anzuschauen (es geht nicht um das weg-haben-wollen) und sie dennoch in Frieden gehen lassen zu können und nicht mit ihnen mit zu gehen.

Sieh dir deine Bilder ohne Angst und aus so objektiven Augen wie möglich an. Es wird nicht weh tun. Sieh es als eine Fähigkeit an, die du gerade entwickelst, so wie man Schach lernt oder Auto fahren. Es wertet dich als Person doch nicht ab, wenn du Fehler machst. Du gibst dir den Raum, etwas Neues zu lernen, das ist wundervoll!

Hier kommen wir auch noch einmal zu dem Punkt, dass wir lernen, unseren eigenen Ausdruck und Stil anzunehmen und zuzulassen. Ich glaube, dass wenn man es schafft, seine Bilder entstehen und sein zu lassen, dass man dadurch auch sich selbst sein lässt wie man ist – sich selbst annimmt und sich sagt: So ist es, so male ich. Ich darf auch in anderen Bereichen genau so sein, wie ich bin.

Stell dir vor, wie du dich fühlst, wenn du nicht daran glaubst, dass du nicht gut genug oder nicht richtig bist, sondern daran glaubst, dass du lernen darfst, so zu malen, wie es dir entspricht. Was würdest du dann anders machen? Würdest du nicht voller Leichtigkeit und Vertrauen an das Malen heran gehen? Du würdest auch offen dafür sein, neue Techniken zu lernen oder zu lernen, wie man Körper oder die Perspektive von hübschen Häusern konstruiert. Dann wird der Zufall in deinen Bildern in Zukunft immer weniger entscheidend sein. Du kannst voller Selbstvertrauen eine neue Fähigkeit lernen. Das kann sogar zu größerem Selbstbewusstsein und weiteren Mutausbrüchen in deinem Leben führen. Du darfst jederzeit Neues lernen und sogar Fehler machen! Ist das nicht ein äußerst wohltuender und entspannender Gedanke?

Am meisten sprechen wir schließlich mit uns selber in unserem Kopf. Niemand spricht mehr mit uns. Also ist es enorm wichtig, nett zu uns zu sein!

Und wir dürfen uns natürlich für Erfolge anerkennen und feiern. Ein sehr wichtiger Punkt auf dem Weg. Denn wenn wir unsere eigenen Fortschritte sehen, werden wir uns gut fühlen und dran bleiben am Malen.

Grund Nr. 9: Vertrauen, Hingabe, Offenheit für Neues, Perfektionismus los lassen

Mit Freude zu malen geht für mich nur mit Hingabe an den Prozess. Ich habe gelernt, mehr und mehr dem Prozess zu vertrauen und nicht zu sehr am Ergebnis fest zu halten. Wenn ich mir die ganze Zeit während des Malens sage: Oh, das sieht jetzt aber blöd aus, das wird nie was … o.ä., dann habe ich logischerweise keinen Spaß. Ich verkrampfe und das Malen wird schwer. Wenn ich es hingegen fließen lasse und dem Prozess vertraue, kann ich mich entspannen.

 There are no mistakes. Only happy little accidents.

Bob Ross

Hier kommt ein weiterer Punkt ins Spiel: Kommen Ergebnisse auf das Papier, wie man sie nicht geplant hat, ist es auch wichtig, nicht an der Erwartung festzuhalten. Das Ergebnis auf dem Papier mag unerwartet aussehen. Aber öffne dich auch für das Neue, das Ungeplante, das Unerwartete. Das entspannt und macht gelassen, was sich auch in vielen anderen Situationen des Lebens bemerkbar macht. Es muss nicht immer alles nach Plan verlaufen. Finde das Gute an deinem Bild. Was hast du für eine neue Erkenntnis dadurch gewonnen? Vielleicht ist es sogar etwas, was dein Stilmittel ausmacht und was du in Zukunft bewusst einsetzen magst. Setze dir keine Grenzen. Es ist alles gut so, wie es passiert.

Stilmittel finde ich eigentlich immer nur durch das Tun. Ich kann mir Bilder von anderen so oft anschauen und analysieren, wie ich möchte. Und doch finde ich eigene Stilmittel immer nur durchs Ausprobieren, z.B. dieser coole neue Pinsel, mit dem man diese ausgefransten Kanten machen kann, die Outlines mit Buntstift oder Schattierungen mit Markern …. Es gibt so viel zu entdecken!

Öffne dich dafür, nicht perfekt zu sein, chaotisch zu sein, offen für deine Gefühle zu sein … Zeige dir selbst, wie wichtig du dir bist. Du musst es nicht einmal beurteilen, ob es gut oder schlecht ist. Genieße einfach die Spielzeit. Du könntest ein Ziel wie dieses formulieren: Ich male jetzt für 10 Minuten, anstatt: Ich möchte heute dieses Bild hin bekommen.

Perfektionismus ist ein Gefängnis. KOMM … DA … RAUS! Oder du verpasst den ganzen Spaß!

Keiner wird dich hassen, wenn du keine gerade Linie oder keinen perfekten Kreis malen kannst und du selbst solltest das auch nicht tun. Du denkst, dein Bild ist nicht gut genug? Gut genug wofür? Und wenn schon! Was ist die Konsequenz davon? Das einzige, was passieren könnte ist, dass du dich selbst verurteilst. Aber wir haben ja gerade gelernt, wie wir das nicht zulassen werden.

Lass dir von sogenannten ‚Fehlern‘ niemals Angst machen und lass nicht zu, dass sie dich zurück halten. Nutze sie, lerne aus ihnen, gehe spielerisch mit ihnen um und versuche, sie umzudrehen oder sogar einzubauen. Es gibt viele Möglichkeiten …

Grund Nr. 10: Geduld und Durchhaltevermögen lernen

Dieses Bild habe ich Anfang des Jahres 2018 für mich gemalt. Es war mein einziger Vorsatz für das neue Jahr. Sonst bin ich nicht besonders gut darin, Vorsätze einzuhalten, aber dieser war mir so wichtig, dass ich ein Bild dazu gemalt habe und vielleicht hat das Bild am Ende dazu geführt, dass es geklappt hat. Ich bin ein höchst ungeduldiger Mensch, auch mit mir selber. Das Problem ist dabei allerdings, dass man es dadurch schwer hat, Neues zu lernen und Dinge umzusetzen.

Geduld ist ebenso ein Punkt zu dem Thema: Wie rede ich mit mir selbst? Ich bin nun dazu übergegangen anzuerkennen, wie sehr ich mich bereits verbessert habe und dass es dafür Zeit braucht. Autofahren habe ich auch nicht von heute auf morgen gelernt. Es hat mich sogar am Anfang total überfordert: auf die Straße gucken, auf den Tacho ebenso ab und zu, schalten, die Pedale treten, lenken … im Gegensatz dazu ist malen viel einfacher. Dennoch erfordert auch das Zeit. Und die gebe ich mir. Denn das fühlt sich einfach sooo viel besser an! Mit so viel Geduld und Wertschätzung mir gegenüber fällt mir auch das durchhalten viel einfacher. Ich habe schon vieles aufgegeben, aber das Malen werde ich definitiv nie aufgeben. Und weil ich durch das Malen angefangen habe, geduldiger mit mir zu sein, hilft mir das auch für andere Lebensbereiche. Ein wertvolles Gefühl!

Zusammenfassung: Malen ist heilsam

  • Selbstliebe
  • Selbstwertschätzung und Selbstannahme
  • Selbstbewusstsein aufbauen
  • du erschaffst etwas, das dich bestärkt
  • Konstruktiver Umgang mit dem inneren Kritiker
  • Geduld und Durchhaltevermögen
  • Meditativer Zustand
  • Anderer Blick auf die Welt – zelebriere dein Leben

Mich würde interessieren, was der Grund ist, warum du wieder mit malen anfangen möchtest? Möchtest du bestimmte Motive zeichnen können oder suchst du ein Hobby zum entschleunigen? Hast du als Kind schon gerne gemalt oder fängt du neu damit an? Ich bin sehr neugierig 😊, also lasst es mich sehr, sehr gerne in den Kommentaren wissen.

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