Glücklich und zufrieden malen in 6 Schritten: Das richtige Mindset

mit Freude und Spaß malen

Malen und zeichnen sollen Spaß machen, aber wie oft ist man unzufrieden und will am liebsten die Malsachen in die Ecke pfeffern … Wie immer beginnt alles mit unseren Gedanken im Kopf – Glücklichsein oder Unglücklichsein. Zum Glück können wir beeinflussen, was wir denken 😃. Das heißt, es liegt ganz in unserer Macht, ob uns das Malen Freude bereitet oder wir genervt und gefrustet sind … und ob wir am Ende überhaupt malen. Denn warum sollte man etwas tun, das einem keine Freude bereitet …

Warum möchtest du malen? Wenn du den Artikel über die Gründe um zu malen und warum auch du unbedingt (wieder) malen solltest schon gelesen hast, hast du vielleicht schon eine Idee, warum es dir wichtig ist. Viele, die (wieder) anfangen zu zeichnen und zu malen, wollen hauptsächlich ‚gut‘ malen können, vielleicht wie jemand, den sie bewundern. Dagegen ist nichts einzuwenden. Auch ich möchte ‚gut‘ malen können und mich mit meinen Bildern so ausdrücken können, dass es mir gefällt. Wenn das allerdings der einzige Grund ist und man gerade am Anfang auch noch viele schlechte Bilder produziert – was ganz normal ist – dann wird man wohl eher geneigt sein, den Stift in die Ecke zu werfen. Wenn das einzige Ziel ‚tolle Bilder‘ sind, diese jedoch nicht gelingen – dann fühlt man sich schlecht. Für mich war das auf jeden Fall in der Vergangenheit immer wieder ein Grund, das Malzeug nicht mehr anzufassen. Zum Glück habe ich trotzdem auf meine innere Stimme gehört und immer wieder angefangen. Mittlerweile weiß ich, welche Gedanken mir helfen, am Malen dran zu bleiben und welche nicht.

Wenn ich früher eine frustrierende Erfahrung beim Malen gemacht habe, habe ich beim nächsten Mal, wenn ich wieder den Drang zum Malen verspürt habe, ein gewisses … nun ja … Ressentiment gefühlt 😁. Ich fühlte mich unruhig, irgendwas fühlte sich nicht richtig an – vielleicht musste ich ja erst was essen. Oh, und die Küche brauchte gaaanz dringend eine Generalüberholung. Und die Kinder brauchten Hilfe bei den Hausaufgaben. Die Pflanzen brauchten gaaanz dringend auch mal wieder Wasser. Und so kam eins zum nächsten und ich habe prokrastiniert (ich liebe dieses Wort 😄, allerdings nicht die Aufschieberitis selbst 😬). So bin ich natürlich einfach nicht zum malen gekommen. Mittlerweile habe ich diese Strategie meines Unterbewusstseins durchschaut und male trotzdem, trotz der manchmal vorhandenen anfänglichen inneren Unruhe.

Wie kannst auch du glücklich sein beim Malen? Das mag sich merkwürdig anhören, denn wir wollen ja erschaffen, um uns auszuleben und uns glücklich zu fühlen – aber wenn man dann wirklich anfängt, fühlt man oft Selbstzweifel, das Gefühl nicht gut genug zu sein, das Gefühl noch nicht genug zu wissen. Während des Malens wird man evtl. nervös und fängt an, wie wild zu radieren, weil es einfach nicht so wird, wie man sich das vorstellt oder man greift zum Handy oder lenkt sich anderweitig ab. Manchmal ist man dann richtig frustriert und möchte am liebsten alles hin schmeißen. Man ist neidisch auf andere, die es offensichtlich besser können. Und so weiter und so weiter.

Wie ich in dem Artikel über ‚Malen als Gewohnheit‘ ausführlich beschrieben habe, zieht uns unser Unterbewusstsein immer zu den angenehmen Gefühlen hin, weg von den unangenehmen Gefühlen und es bedarf schon einer Menge Willenskraft – gerade zu Beginn, wenn sich alles erst mal einspielen muss und man noch nicht so im Flow ist – eine Sache wirklich durch zu ziehen. Leider haben wir von unserer Willenskraft nicht unbegrenzt viel zur Verfügung. Die meiste Zeit des Tages verbringen wir automatisch in unseren altgewohnten Bahnen.

Wie ich auch schon in dem Artikel Wie du Malen zu einer Gewohnheit machen kannst schrieb: Gefühle entstehen nur in uns selber – und zwar aufgrund unserer Gedanken und Bewertungen. Die gute Nachricht daran ist: wir selbst können eine Menge dafür tun, dass wir glücklich sind beim Malen und auch tatsächlich dran bleiben. Deshalb liegt mir dieser Artikel auch sehr, sehr am Herzen. An dieser Stelle geht es speziell um unsere Einstellungen, unser Mindset, unsere Bewertungen und wie wir mit unserem inneren Kritiker umgehen können. Das ist nicht nur für das Malen sehr wichtig, sondern für unser ganzes Leben. Hier habe ich wieder viel vom Malen gelernt und möchte dich an meinen Erkenntnissen teilhaben lassen.

Ich glaube mittlerweile, das größte Problem bei uns Erwachsenen ist die Angst davor, Fehler zu machen. Das ist bei uns seit der Kindheit tief eingegraben. Gerade beim Malen können wir aber lernen, diese Angst los zu lassen und uns frei zu fühlen. Das ist der Knackpunkt. Wenn wir uns beim Malen unter Druck setzen oder ein bestimmtes Ergebnis von uns erwarten, werden wir nicht davon profitieren und uns weder weiter entwickeln noch dran bleiben. Dabei geht es viel mehr um das, was das Malen unterwegs mit uns macht: Wir wachsen mit jedem Bild. Wir lernen, aus unserer Komfortzone heraus zu kommen, wenn wir Neues ausprobieren. Wir erschaffen mit immer mehr und mehr Leichtigkeit. Wir lernen, uns besser zu fokussieren und ganz im Moment zu sein. Wir werden sicherer in dem, was wir tun und bauen Selbstvertrauen auf. Wir finden zu unserer eigenen Intuition, unserer inneren Stimme und unserem eigenen Ausdruck. Wir lernen, uns selbst anzunehmen, so wie wir sind und erleben das befreiende Gefühl von innerem Frieden, wenn wir lernen, liebevoll und wertschätzend mit uns sprechen. Wir leben dadurch auch mehr in Freude und Liebe. Wir lernen, wieder Anfänger und Kind zu sein, indem wir uns frei ausprobieren dürfen, ohne Zwang oder Druck. Für mich ist das Malen daher unendlich bedeutsam und wohltuend. Wenn du magst, lade ich dich herzlich ein, mit mir auf diese Reise zu kommen, die so spannend ist und – wie ich glaube – auch nie zu Ende ist. Das Malen ist für mich tatsächlich eine Reise zu mir selbst, doch mit Sicherheit kein Ziel. Ich male, weil es einfach Spaß macht zu malen, um Raum und Zeit zu vergessen und ganz im Malen aufzugehen, um mein Leben in sehr persönlichen Bildern festzuhalten und weil ich den Prozess des Lernens genieße. Ich genieße es, genau hinsehen zu lernen und mich dabei zu erden und runter zu kommen. Ich genieße es, dem Leben gegenüber jetzt aufmerksamer zu sein. Auch das gehört zum Malen dazu.

Ich möchte an dieser Stelle auch noch einmal wiederholen: Es ist ein Prozess – aber einer, der sich lohnt! Auch ich bin nicht perfekt in punkto Selbstannahme und Selbstliebe. Ich lerne auch mit jedem Mal malen dazu. Einige alte Glaubenssätze habe ich schon überwunden, andere kommen immer wieder hoch.

Und nun nehme ich dich mit in meinen Kopf und lasse dich an meinen Gedanken teil haben …

Wie komme ich ins Malen?

Ich selbst habe dazu schon ganze Romane an Erkenntnissen verfasst. Ich konnte über Jahre hinweg nicht verstehen, warum ich ständig die Sehnsucht hatte zu malen und es dann doch nicht getan habe. Es war zum Haare raufen. Wie ich schon in dem Artikel über die Ausreden geschrieben habe, lässt sich alles auf einen Nenner herunter brechen: Angst.

Endlich wieder malen. Was wünsche ich mir?
Diese Journalseite habe ich kreiert als ich wieder einmal verzweifelt war, warum ich denn einfach nicht male, obwohl ich es gerne möchte.

Wie habe ich es nun aber doch geschafft, dass ich täglich male und dem Ruf meiner Seele folge? Wie so oft, beginnt alles im Kopf und im Unterbewusstsein. Jeder von uns folgt dem, was er glaubt, wie er ist, wozu er fähig ist, was er für ein Mensch ist, ob er ein bestimmtes Potential hat oder nicht. Wenn wir uns etwas nicht zutrauen, werden wir uns gar nicht erst auf den Weg machen. Daher ist es wirklich unglaublich wichtig uns darüber bewusst zu werden, was wir denken und auch fühlen.

Konkret bedeutete das bei mir: es gab einige alte Glaubenssätze, die ich mir erst einmal klar machen musste, und die ich schließlich entkräftet habe – verstandesmäßig und durch Meditation auf der Gefühlsebene.

Diese alten Glaubenssätze hießen zum Beispiel:

  • Ich bin nicht gut genug.
  • Ich habe das ja nicht studiert, so wie ich wollte, also kann ich es ja nicht wirklich.
  • Es steht mir nicht zu, zu malen.
  • Malen ist Zeitverschwendung.
  • Malen ist nicht wertvoll.
  • Ich werde nie so gut wie andere.
  • Es ist zu spät für mich, jetzt noch damit anzufangen.
  • Ich traue mir nicht zu, dass ich es hin bekomme. Ich werde es doch eh nur wieder aufgeben, wie so vieles andere auch.

1. Schritt: Werde dir über deine Glaubenssätze bewusst

Der erste Schritt ist also: Werde dir über deine Glaubenssätze in Bezug auf das Malen bewusst. Schließe die Augen, atme ein paar Mal tief ein und aus und beobachte anschließend einfach für einige Atemzüge deinen normalen Atem. Dann höre ich dich hinein. Frage hinter deiner Stirn, was du über dich und das Malen (oder kreativ sein) glaubst. Kannst du dir vorstellen, dem Malen Raum und Zeit in deinem Leben zu geben? Atme einfach weiter und warte, was für Antworten kommen. Mache das ruhig ein paar Minuten lang – so lange, bis nichts mehr kommt. Dann wandere mit deiner Aufmerksamkeit zu deinem Herzen. Atme ein paar bewusste Atemzüge in dein Herz ein und aus und frage es, was es, was es möchte. Möchte es die Antworten von deinem Verstand glauben? Spüre die Energie deines Herzens und wie sie durch deinen ganzen Körper fließt. Mache dein Herz weit. Fühle das Vertrauen und die Leichtigkeit. Alles ist gut. Du bist mit allem verbunden. Es spielt keine Rolle, ob andere besser oder schneller sind. Wir sind alle gemeinsam auf der Reise. Fühle die Dankbarkeit für alles, was ist; für dein schlagendes Herz und das Leben, das durch dich fließt, für die unendlichen Ressourcen, die dir zur Verfügung stehen; für deine Hände und Augen, die es dir ermöglichen zu malen; dafür, dass du der Schöpfer deines Lebens bist, für all die wunderbaren Momente, die du erleben wirst; dafür, dass alles in dir ist –  dass du alles erschaffen kannst, was du möchtest. Erfülle dich mit Dankbarkeit und Liebe. Schenke dir ein Lächeln. Fühle dein unendliches Potential. Wenn du deine Augen aufmachst, wirst du eine neue Realität spüren, weil du die Welt in dir verändert hast. Ich wurde für diese Meditation inspiriert von einer Podcast-Folge von Laura Malina Seiler.

Wie fühlst du dich jetzt? Ich habe nach der Mediation immer das Gefühl, ich kann alles erreichen! Natürlich ist es wichtig, regelmäßig in sich zu gehen und sich Gedanken bewusst zu werden und sich neue Affirmationen auf den Weg zu geben. Auch hier ist die Wiederholung der Schlüssel!

Ebenfalls in dem Artikel über die Ausreden, die dich vom Malen abhalten, habe ich ja schon eines meiner Lieblingszitate angesprochen:

Wer etwas will, findet Wege, wer etwas nicht will, findet Gründe.

Albert Camus

Wann immer mir etwas wichtig genug war, habe ich Wege gefunden, so auch für das Malen.

2. Schritt: Was möchtest du erschaffen und wie möchtest du sein?

Nun ist es wichtig, dass du deine Aufmerksamkeit darauf richtest, was du erschaffen möchtest. Dahin, wo du deine Aufmerksamkeit richtest, davon entsteht mehr in deinem Leben – einfach weil deine Aufmerksamkeit und Achtsamkeit darauf ausgerichtet ist, neue Möglichkeiten und Wege zu sehen. Manchmal ist etwas tatsächlich unsichtbar für uns, wenn wir diese Möglichkeit von vornherein ausschließen. Dann können wir dafür einfach keine Lösung finden! Solange ich mir ständig diese alten Glaubenssätze erzählt habe, konnte ich nicht ins Handeln kommen. Als ich aber angefangen habe, mich auf die Wege und nicht auf die Gründe zu konzentrieren und mich gefragt habe: WIE kann ich es schaffen, dass ich wieder male – und zwar ohne mich selbst dafür zu verurteilen, wenn die Bilder gruselig aussehen? Und WIE kann ich regelmäßig malen und dran bleiben? – als ich mir diese Fragen stellte, öffneten sich Türen und ich begann, Möglichkeiten zu sehen. Ich habe aufgehört, mich selbst zu blockieren (jedenfalls die meiste Zeit 😉) und habe angefangen, Ressourcen zu entdecken. Vor allem fand ich aber in erster Linie neue Glaubenssätze und Affirmationen, die mir weiter helfen und mir Kraft und Mut schenken. Ich habe auch gesehen, dass das kreativ-sein ein wichtiger Anteil von mir ist, den ich nicht unterdrücken darf. Es ist ein Geschenk – und mit Sicherheit ist meine Mal-Zeit eine enorm wertvolle Zeit für mich selbst. Ich meine, wie hätte ich je anfangen können mit malen, so lange ich geglaubt habe, dass Malen Zeitverschwendung ist? Unsere Gedanken sind alles entscheidend dafür, wie wir handeln.

Seitdem mir das klar geworden ist, habe ich eine ganze Reihe hilfreicher Gedanken entwickelt, die mich dabei unterstützen, ins Malen zu kommen und dabei liebevoll und wertschätzend mit mir umzugehen, so dass es eine positive Erfahrung bleibt und ich dran bleibe.

3. Schritt: Finde Gedanken, die dir vor dem Malen helfen

Hier habe ich einmal die Gedanken aufgeschrieben, die mir selbst geholfen haben und immer noch helfen. Du kannst dir einfach die heraussuchen, die dich ansprechen. An dieser Stelle habe ich auch eine ganz besondere Empfehlung: Damit dir diese wertvollen Gedanken nicht verloren gehen – denn Gedanken sind flüchtig – setze sie doch gerne kreativ um. Ich mache das andauernd und so vergesse ich so schnell nicht wieder, was wichtig ist für mich.

Bei allem, was ich tue: Ich bin geduldig mit mir selbst. Ich gebe mir Zeit, mich beim Malen zu entwickeln und ich gebe mir Zeit, ein neues, liebevolles Mindset zu entwickeln, mit dem ich mich selbst unterstütze und für mich da bin.

Ich bin geduldig mit mir selbst beim Malen

Ich bin mir selbst wichtig. Ich bin mir so wichtig, dass meine kreative Zeit Priorität hat und nicht verhandelbar ist. Ich zweifle nicht mehr daran, ob mir diese Zeit jetzt zusteht und ob ich jetzt wirklich malen sollte. Ich habe immer genügend Zeit für den Ruf meiner Seele. Meine Macht besteht darin, meine Gedanken darauf zu fokussieren, was ich mir wünsche und was mir wichtig ist. Ich möchte malen, weil ich mich in meinen Bildern ausdrücken möchte.

Wobei wir gleich beim nächsten Punkt sind: Nur ich allein bin dafür verantwortlich, wie mein Leben aussieht. Ich brauche von niemandem die Erlaubnis, ob ich malen darf oder nicht und brauche mir von niemandem sagen zu lassen, ob es sinnvoll ist oder nicht. Es ist mein Leben. Ich bin erwachsen. Ich bestimme. Punkt.

Ich visualisiere mich selbst, wie ich male. Ich lade das Malen so positiv auf wie nur möglich und das Nicht-Malen so negativ wie möglich. Wenn du darüber mehr wissen möchtest, lies gerne in diesem Artikel nach: Wie du es schaffst, regelmäßig zu malen. An dieser Stelle sei nur noch einmal folgendes gesagt (Wiederholung ist ja immer gut 😊): unser Unterbewusstsein, das viel stärker ist als unser bewusster Verstand – das Verhältnis ist ca. 95% zu 5% – zieht uns stets zu den Dingen, mit denen wir positive Emotionen verbinden und hält uns davon ab, was schwer oder unsicher sein könnte.

Daher sehe ich mich, wie ich voller Freude und Leichtigkeit male, wie früher als Kind. Ich bin in einem Anfängergeist. Alles ist neu und aufregend. Ich bin neugierig und voller Vorfreude. Spielerische Leichtigkeit soll das Gefühl sein, das mich beim Malen begleitet. Es darf leicht sein, freudig, spielerisch, experimentell sein. Es geht nicht darum, Meisterwerke zu erschaffen, sondern Spaß zu haben. Wenn ich mit Freude und Hingabe erschaffe, sieht man das den Bildern auch an. Ich male nur aus Liebe und ich finde die Liebe darin, wenn ich wieder einmal uninspiriert bin. Denn ohne die Liebe dabei zu spüren, macht es wenig Sinn.

Ich kann NICHTS falsch machen! Der einzige Fehler ist, nicht anzufangen. Wenn ich male, gibt es keine Fehler! Ich darf mich ausprobieren. Das ist der beste Weg, um mich weiter zu entwickeln.

Ich vertraue, dass alles wie erwartet oder noch besser eintrifft. So, wie das Wasser kochen wird, wenn ich einen Topf auf den Herd stelle – auch wenn sich anfangs lange nichts tut – genauso vertraue ich darauf, dass ich unausweichlich besser werde, je mehr ich male. Es ist sicher, dass es so kommen wird. Und es ist auch sicher, dass anzufangen am schwersten ist, es mit der Zeit aber immer einfacher und leichter wird. Wenn ich nur an mich glaube, habe ich tatsächlich alles, was ich brauche! Das ist der einzige Puzzlestein, der mir bisher gefehlt hat. Andere sind auch nicht schlauer oder besser als ich. Oder wie sagt man? Andere kochen auch nur mit Wasser- um einmal bei dieser Analogie zu bleiben. 😊

Ich kann alles lernen, was ich möchte. Heutzutage gibt es alle Infos, die man braucht im Internet. Alles, was ich lernen möchte, ist nur ein paar Klicks entfernt.

Abgesehen davon, muss ich nichts und niemandem etwas beweisen, auch nicht mir selbst. Ich kann mich entspannen, denn ich bin bereits angekommen und alles ist gut. Es gibt nichts zu erreichen oder zu verlieren. Es ist ’nur‘ Malen‘ und nicht der Weltfrieden oder eine Gehirnoperation.

Ich genieße es, meine Komfortzone zu erweitern und Neues zu erleben. In der Komfortzone wartet auf mich Stagnation, Bedauern und andere schlechte Gefühle. Außerhalb der Komfortzone liegt der Spaß und das Abenteuer und da es ja nichts zu beweisen oder zu erreichen gibt, kann ich mich einfach ausprobieren.

Wenn ich Angst habe, dass das Bild nicht so wird, wie ich mir das vorstelle, dann sage ich mir: Das ist nur ein Gedanke, der versucht, mich klein zu halten. Denn wenn ich es gar nicht erst probiere, komme ich gar nicht weiter und dann bin ich auf jeden Fall gescheitert. Es ist ein Erfolg, wenn ich es tue – ungeachtet des Ergebnisses. Nicht-malen ist scheitern! Und nicht gemalt habe ich ja schon! Also kann es nur besser werden.

Die Angst ist nur Kopfkino. Ich frage mich, wenn ich davor zurück schrecke, etwas auszuprobieren: um welche positiven Erfahrungen bringe ich mich, wenn ich es nicht versuche? Wie vielen positiven Dingen gebe ich so gar nicht die Möglichkeit, in mein Leben zu kommen? Was kann alles Tolles passieren, wenn ich los gehe?

Hingegen: Was soll überhaupt Scheitern in Bezug auf das Malen bedeuten? Scheitern bedeutet, dass etwas nicht so eintritt wie erwartet. Daher schrauben die meisten Menschen ihre Erwartungen sehr weit nach unten und erwarten gar nicht mehr viel von sich selber. Davon kann ich wirklich ein Lied singen. Was möchte man aber vermeiden? Meistens ein bestimmtes Gefühl. Man möchte sich nicht als Versager fühlen. Allerdings ist es so: Das einzige Gefühl, das man haben wird ist das, für das man sich entscheidet, wie man sich fühlen möchte. Lies diesen Satz gerne noch mal. Er ist sehr wichtig! Denn: die Gefühle beruhen ja auf den eigenen Bewertungen! Ha! Das bedeutet: Ich selber bestimme, wie ich mich fühle, wenn ich meine eigenen Erwartungen nicht erfülle. Und schlechte Gefühle habe ich nur, wenn ich nicht male! Also wovor habe ich Angst? Ich brauche keine Angst vor einer Enttäuschung oder einem Gefühl des Klein-Seins, der Ablehnung o.ä. zu haben. Wenn das Ergebnis nicht so ausfällt, wie ich das erwartet oder mir vorgestellt hatte, was sage ich dann zu mir? Ich werde mich nur schlecht fühlen, wenn ich mich dafür abwerte. Und natürlich tue ich das nicht (mehr), wie ich weiter unten ausführen werde.

Außerdem erfreue mich am gesamten Prozess des Malens, nicht (nur) am Ergebnis: ich genieße die Vorfreude, wenn ich eine Idee habe, die gerne so schnell wie möglich auf das Papier möchte, ich erfreue mich am Potential eines neuen Bildes, über die Überraschung der ersten Skizze – wie sehr ähnelt sie meiner Vorstellung? Ich liebe es, eine Skizze auf dem Papier entstehen zu sehen und wie sie durch Farbe zum Leben erweckt wird. Und vor allem: ich liebe diese konzentrierte Arbeit, wenn ich völlig im Moment aufgehe und vollkommen präsent im Augenblick bin. Ich liebe es, im Flow zu sein und etwas mit meinen Händen, Werkzeugen und mit Hilfe meiner Vorstellungskraft zu erschaffen.

Ich nehme mir auch ein Beispiel an meinen Kindern als sie noch kleiner waren. Jüngere Kinder geben ihre Bilder gerne weg, sie hängen nicht am Ergebnis. Wenn man sie fragt, ob sie das Bild wirklich verschenken wollen, antworten sie: ‚Na klar, ich kann noch mehr malen.‘ Ihnen geht es wirklich um die Freude am Malen.

Ich warte nicht, bis ich bereit bin. Das war ich am Anfang fast nie! Die Angst war ein ständiger Begleiter und ist es jetzt auch noch oft. Ich prokrastiniere, weil ich mich gerne immer erst bereit fühlen möchte für etwas – ich möchte schon vorher immer so viel über ein Thema wissen wie möglich, mich vorbereiten, darüber nachdenken und Fehler möglichst vorher ausschließen. Ich möchte eine Idee haben, für die es sich lohnt anzufangen. Das nimmt mir aber die spielerische Leichtigkeit. Es gibt keinen besseren Weg anzufangen als JETZT! Alles andere sind nur Methoden meines Verstandes, mich von etwas abhalten zu wollen, vor dem er Angst hat – und wenn es nur das Malen ist.

Warte nicht darauf, bereit zu sein. Das bist du fast nie. Tue das, was du jetzt imstande bist zu tun. Tue dein Bestes, aber tue es. Du musst dir das erlauben zu tun, denn eine andere Möglichkeit, um dich zu verbessern, gibt es nicht! Wenn du anfängst zu malen, musst du nicht schon vorher wissen, wie es geht. Auf lange Sicht macht dich das entspannter.

Je schneller ich anfange, umso weniger muss ich mich auch fürchten. Die Angst wird in meinen Gedanken immer größer und größer. Habe ich aber angefangen, stelle ich so gut wie immer fest, dass es gar keinen Grund gab, Angst zu haben. Und wann immer ich an diesen Punkt komme, habe ich mich der Angst gestellt und bin ein Stück stärker geworden.

Erst glauben, dass ich es kann, dann machen und zum Schluss erst sehen, nicht umgekehrt! Eine so, so wichtige Erkenntnis! Im Englischen gibt es einen Spruch, der geht ungefähr so: In order to success, you must first believe. Um Erfolg zu haben, musst zu zuerst glauben. Ich kann es nicht oft genug sagen: glaube und vertraue! Und dann mach es einfach. Wie oft habe ich schon gedacht, ich kann das und das nicht. Doch so gut wie immer, wenn ich mich dann doch dazu durch gerungen habe, habe ich mich am Ende selbst überrascht, weil ich viel mehr geschafft und erreicht habe, als ich gedacht hatte. Wir sind so unendlich machtvoll und unterschätzen uns doch so oft. Und selbst, wenn ich einmal nicht so zufrieden bin mit mir, habe ich wenigstens etwas, worauf ich beim nächsten Mal aufbauen kann. Ich bin definitiv einen Schritt weiter gekommen! Das nennt man auch das Konzept vom ’schnellen Scheitern‘. Je schneller ich scheitere (obwohl ich es für mich nicht ’scheitern‘ oder ‚Fehler machen‘ nenne), umso schneller komme ich voran und dem Ziel näher. Ich nenne es lieber ‚Erfahrungen machen‘.

Ich darf! Nicht: ich muss. Früher war es oft so, dass ich dachte: Ich muss ja heute noch malen. Spätestens dann war das Malen zu einer Aufgabe geworden, die halt zu erledigen war. Und es fühlte sich schwer und anstrengend an. Das war aber natürlich nur der Fall, weil ich das malen so bewertet habe: ich habe es als eine Aufgabe gesehen und schon hatte ich nicht mehr wirklich Lust darauf. Worte und Gedanken haben schöpferische Kraft. Daher achte ich nun viel mehr auf meine Wortwahl.

In die Dankbarkeit und ins Vertrauen fühlen: auch wenn ich jetzt noch nicht weiß, wie, ich vertraue darauf, dass der Punkt kommen wird, an dem ich es schaffen werde. Ich bin dankbar …

  • dass ich ganz viel beim Malen über mich selbst lerne und mich selbst heile
  • dass ich meine Fähigkeiten mit jedem Bild verbessern werde und für meine Erfolgserlebnisse
  • dass ich mich selbst ernst nehme und meinen eigenen authentischen Weg gehe
  • dass ich erkenne, dass ich wertvoll bin, wie ich bin und mein Geschenk mit der Welt teilen darf
  • dass ich mich mit meinen Bildern ausdrücken kann

Hier zeige ich dir eine Übung, die ich mache, wenn Ängste aufkommen:

Ich konzentriere mich auf die Angst in meinem Körper und wo genau ich sie spüre. Ich atme für 90 Sekunden intensiv in diesen Bereich ein und aus und lasse zu, die Angst zu spüren. So lange ich die Angst ignoriere und nicht hinsehen will, bleibt sie in meinem Körper gespeichert. Dadurch, dass ich meine Angst bewusst zulasse und fühle, kann ich mich von ihr lösen und sie transformieren. Während ich meine Angst fühle, versuche ich ihr gegenüber ohne Bewertung zu sein. Ich nehme sie einfach nur wahr. Während der Übung kann ich auch ein Mantra sprechen, z.B.: Ich danke der Liebe in mir oder meiner Muse, dass sie mir helfen, meine Ängste und einschränkenden Glaubenssätze zu erkennen und aufzulösen. ODER: Ich bin nicht meine Angst. Das sind nur Gedanken, die mich vor etwas beschützen wollen, die aber auch wieder gehen werden.

4. Schritt: Gedanken, die während des Malens helfen

Malen fängt mit dem allerwichtigsten Schritt an: beobachten! Malen ist so viel mehr als den Stift auf das Papier zu setzen und dort Spuren zu hinterlassen. Da ich ja etwas illustrieren, also zeigen möchte mit meinen Bildern habe ich als Referenz meist ein Foto oder das echte Leben vor mir, das ich gerade darstellen möchte. Und auch wenn ich nicht fotorealistisch zeichnen möchte, möchte ich doch die für mich wichtigsten Aspekte auf das Papier bringen. Das geht nur, wenn ich, bevor ich tatsächlich anfange, den Stift auf das Papier zu setzen, genau hin schaue. Ich kann beinahe immer, wenn das Malen nicht so läuft, wie ich mir das wünsche davon ausgehen, dass ich vorher nicht genau hingesehen habe. Auch während ich tatsächlich den Stift auf dem Papier bewege, ist es wichtiger, eher mein Motiv im Blick zu  haben als das Papier. Der Mindset-Aspekt dabei ist: um gut zu beobachten, muss ich innerlich ruhig werden. Wenn ich schnell, schnell mal los lege und denke, ich weiß ja, wie ein Haus/ein Baum/ein Mensch aussieht, dann klappt es nicht. Denn das sind nur Konzepte im Kopf. Beim Malen ist es wichtig, das zu malen, was man tatsächlich sieht und keine ungenauen Konzepte wieder zu geben. Daher fahre ich mich wirklich bewusst immer wieder runter, werde innerlich ruhig und beobachte eine Weile einfach nur Linien, Formen, Farben usw.

Als nächstes schließe ich die Augen und sehe das gewünschte Ergebnis vor mir, wie es bereits als Zeichnung auf dem Papier aussieht. Wenn ich beim Malen abweiche, schließe ich wieder und wieder die Augen und stelle mir das Ergebnis bildlich vor. Ich schaue es mir genau an und sehe die Einzelheiten, die auf dem Papier sein werden.

Während ich male, rede ich liebevoll und wertschätzend mit mir, zum Beispiel so:

  • Ich mache das gut
  • Ich bin erfolgreich, weil ich mir die Zeit nehme und male.
  • Ich denke den höchstmöglichen Gedanken von mir: Ich bin gut genug. Ich bin wertvoll.
  • Ich klebe nicht an meinen Bildern. Es geht nicht um das Ergebnis, sondern um das Malen.
  • Ich kann nicht, gibt’s nicht! Jedes Motiv ist gleich gut. Selbst die komplexesten Motive können herunter gebrochen werden auf Formen und Umrisse. Ich sehe nicht den großen Berg vor mir, sondern breche mein Motiv herunter, indem ich es immer wieder anschaue und beobachte und Stück für Stück male.
  • Ich finde auf dem Weg heraus, wie es geht und lerne mit jedem Bild dazu.
  • Gefühle, in die ich hinein fühle und die ich erschaffen möchte während des Malens: Vertrauen, Hingabe an den Prozess, Freude und Leichtigkeit (atmen nicht vergessen 😉)

Im Grunde versuche ich, beim Malen nicht an das Ergebnis zu denken, sondern male einfach. Ich male, was kommt und lasse das Bild sein. Ich genieße diesen Flow, in dem ich die Zeit und alles rings um mich her vergesse. Aber falls doch Gedanken an das Ergebnis aufkommen, schreibe ich sie einfach direkt neben das Bild – einfach damit sie raus sind aus dem Kopf und mich nicht mehr belasten. Anschließend versuche ich, umzudenken.

Meine Gedanken, wenn es mal nicht nach Erwartung läuft:

  • Klar, kann ich das noch nicht. Ich habe es ja auch noch nie/nicht so oft gemacht
  • Ich darf üben, mich ausprobieren, experimentieren
  • Es gibt kein Richtig und kein Falsch
  • Ich erkenne das, was ich male an – so, wie ich zeichne, kann nur ich das und ich möchte ja meine eigenen Bilder malen und nicht die von anderen
  • Wenn ich es beim nächsten Mal wieder versuche, wird es viel besser
  • Es klappt gerade nicht – so what? Das sagt nichts über mein Talent aus, sondern höchstens über meine Tagesverfassung. Neuer Tag, neuer Versuch.
  • Malen lernt man durch das Malen. Kein Bild ist jemals verschwendete Zeit, sondern immer eine supertolle Übung.

Während des Malens denke ich nicht an Abwaschen oder Einkaufen oder was ich sonst noch alles zu tun habe. Ich gönne mir jetzt meine heilige Zeit für mich. Ich zweifle nicht daran, ob es jetzt richtig ist zu malen und nichts anderes zu machen.

5. Schritt: Gedanken nach dem Malen oder Umgang mit dem inneren Kritiker

Es ist interessant. Früher hatte ich sowohl negative Gedanken, wenn mir ein Bild gefallen hat als auch wenn mir ein Bild nicht gefallen hat.

Wenn ich ein Bild gemalt habe, das mir gefiel, dachte ich: wow, sowas kriege ich nie wieder hin. Das einzige, das mich von diesem Gedanken heilen konnte, war stetig weiter zu malen und nicht aus dem Fluss zu kommen! Je mehr ich gemalt habe, umso mehr Vertrauen hatte ich in mich selbst, dass das Bild nicht nur Zufall war.

Wenn das Bild nun aber nicht so war, wie ich mir das vorgestellt hatte, aber ich mich abgewertet und mein Talent in Frage gestellt (das dabei doch keine Rolle spielt, wie du in dem Artikel über den Mythos Talent lesen kannst). So in etwa sagte ich mir: So ein Schrott! Ich kann es eben nicht.

Jetzt nehme ich es nicht mehr persönlich, wenn es nicht so funktioniert, wie erwartet und zweifle mit Sicherheit nicht an meinem Talent oder meinen Fähigkeiten. Es ist ein Prozess! Daher sage ich mir viel mehr: das ist erst der Anfang! Ich freue mich, dass ich heute etwas erschaffen habe und voran gekommen bin. Ich bin im Fluss geblieben. Darauf kommt es an.

Da das Ziel ja auch im Malen selbst besteht und nicht darin, Meisterwerke zu erschaffen, ist es einfach nur wichtig, ‚viel‘ zu malen und nicht ‚gut‚. Das Lustige daran ist: je mehr wir malen, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass auch viele gute Bilder dabei sind 😉.

Darüber hinaus ist nichts an sich gut oder schlecht – nur unsere Bewertungen machen es dazu. Das Bild ist nur ein Bild. Es sagt nichts über meinen eigenen Wert aus.

Wenn ich also heute das Bild als nicht gelungen empfinde, sage ich mir: Es ist alles gut! Das Bild ist ein Beweis dafür, dass ich gehandelt habe und gewachsen bin. Scheitern ist nicht das Gegenteil von Erfolg, sondern die Tür zum Erfolg. Ich habe mich weiter entwickelt, weil ich aus meiner Komfortzone heraus gekommen bin, was sich anfangs in ganz normalem Unwohlsein äußert und etwas Neues probiert habe. Ich habe wertvolle Erfahrungen gemacht und habe trotz des Unwohlseins gemalt.

Ich kann mich allerdings dennoch völlig sachlich fragen, woran es liegt, dass mir das Bild nicht gefällt. Welche Aspekte müssten anders (nicht besser, denn wer will das schon bestimmen?) sein, damit mir das Bild gefallen würde. Wo kann ich dazu lernen?  Und WIE kann ich dazu lernen? Keine Mal-Session ist jemals verschwendete Zeit! Anstatt in Begriffen wie ‚gut‘ oder ’schlecht‘ zu denken, ist es viel sinnvoller zu denken, inwiefern ich etwas gelernt habe und wie ‚effektiv‘ daher meine Mal-Zeit war..

Vor dem Malen ist nach dem Malen. Vor und während des Malens mache ich mich nicht fertig, ob das Ergebnis nun gut wird oder nicht. Nach dem Malen klopfe ich mir auf die Schulter dafür, was ich gut hinbekommen habe und wenn ich während des Malens wertschätzend mit mir gesprochen habe. Es ist äußerst wichtig, seine kleinen Erfolge zu feiern und stolz auf sich zu sein, damit das emotionale Gehirn einen das nächste Mal wieder zum Malen hin zieht. Und wie gesagt, schaue ich mir auch an, was ich gerne noch besser können möchte. Aber ich halte mich nicht ewig beim Ergebnis auf. Ich male einfach das nächste Bild und danach das nächste. Und so weiter. Einfach malen … Es ist doch nur ein Bild! Ich werde noch so viele weitere malen. Was ist schon ein Bild, das mir nicht gefällt im Vergleich zu den ganzen Skizzenbüchern, die noch kommen werden in meinem Leben?

Sei kein Kunstkritiker. Male. Dort liegt das Seelenheil.

Paul Cezanne

6. Schritt: Sich nicht vergleichen

Vergleich ist der Dieb der Freude.

Theorore Roosevelt

Sich mit anderen vergleichen ist auch eine ganz fiese Masche des inneren Kritikers. Gegen andere kann man niemals ‚gewinnen‘, denn jemand anderes kann immer nur so malen wie er malt und ich kann nur so malen, wie ich male. Ja, ich kann bestimmte Dinge lernen, wie z.B. menschliche Proportionen, aber so wie jeder seine eigene Handschrift hat, so hat auch jeder seinen ureigenen Malstil. Das ist etwas Gutes, denn das macht jeden von uns einzigartig.

Ich habe früher dennoch oft damit gehadert, weil ich gerne wie andere malen können wollte und ihren Stil ‚besser‘ fand. Allerdings gibt es gar kein ‚besser‘ und auch kein ‚gewinnen‘ gegen andere – allein deshalb, weil es keine objektive Instanz gibt, die sagen kann: dieses ist besser als jenes. Andere sind nicht kreativer oder klüger als ich! Sie glauben wahrscheinlich nur mehr an sich selbst und gehen vertrauensvoll voran. Sie erlauben sich, Fehler zu machen und wissen, dass gut genug reicht – nur so konnten sie sich weiter entwickeln bis zu dem Punkt, an dem sie jetzt stehen.

Malen ist die beste Übung im man-selbst-sein, sich nicht vergleichen, den eigenen Ausdruck anerkennen und dafür wertschätzen, wer man ist und wie man malt.

Kreativität ist kein Wettbewerb!

Sich inspirieren zu lassen ist ok, aber man läuft dabei Gefahr, von seinem eigenen Ausdruck immer weiter abzurücken. Wenn du diesen Gedanken haben solltest, dass deine Malweise, dein Ausdruck, dein Stil nicht so viel wert ist wie der von anderen, dann strahlst du das nach außen aus und es wird dementsprechend so sein, dass andere dir von außen genau das spiegeln und du dich wiederum noch mehr darin bestätigt siehst, dass du eben nicht gut genug zeichnen kannst. Dir Zeit zum Malen zu nehmen, dich nicht abzuwerten, sondern anzuerkennen in deinem Ausdruck, wertschätzende Gedanken zu denken und zu fühlen – das ist Ausdruck der Selbstannahme und Selbstliebe und tut unendlich gut.

Ich vergleiche meine Kunst nicht mit anderen. Ich bin einzigartig. Keiner kann je so zeichnen wie ich! Ich erkenne meine Einzigartigkeit an. Alles, was ich male ist gut, richtig und wertvoll.

Wenn ich mich vergleiche, dann nur mit der Person, die ich gestern war – oder letzte Woche oder vor einem Monat. Ich werde jeden Tag eine bessere Version von mir selbst. Es gibt keine Limits, sondern nur die, die ich mir selber vorgebe. Was glaubst du, wer du sein kannst?

Ich hatte auch oft den Gedanken, dass es anderen nicht gefallen wird, wie ich male. So habe ich mich natürlich am Außen orientiert – und das kann niemals zu innerem Glück führen, weil ich so nicht bei mir bleibe und die Bewertung nach außen abgebe. Die Bewertung durch andere hat sowieso mehr mit dem Betrachter zu tun als mit mir und meinen Bildern. Daher bleibe ich jetzt immer bei der Frage: Gefällt MIR das Bild? Hatte ich Spaß beim Malen? Habe ich Leichtigkeit gespürt und war im Flow oder war ich verkrampft? Habe ich die Aussage meines Bildes gut umgesetzt?

Liebe deine Kunst! Sie ist ein Teil von dir und ob jemand anderes sie mag oder nicht, spielt keine Rolle. Sei stolz auf dich selbst.

Liebe die Kunst in dir selbst und nicht dich selbst in der Kunst.

Constantin Stanislavski

Abschließende Worte

Wie man vielleicht merkt 😇, habe ich mir im Laufe der Zeit viele, viele Gedanken dazu gemacht, warum ich nicht male oder warum ich zwar anfange, aber nicht dran bleibe. Negative Gedanken haben mich viel zu lange davon abgehalten.

Natürlich denke ich all diese positiven Gedanken nun auch nicht immerzu und schwebe nur noch auf Wolke 7 umher. Schön wär’s. Es gibt immer noch Tage mit Selbstzweifeln und all den schlechten Gedanken. Mein Rettungsanker ist: Ich bleibe bei dem höchst möglichen Gedanken über mich selbst: Ich bin gut genug und ich bin wertvoll, so wie ich bin. Alles ist gut!

Ich kann jetzt viel eher auch einfach los lassen. Kein Tag ist wie der andere. An manchen Tagen flutscht es leichter als an anderen. Kein Grund, mich nieder zu machen oder anzunehmen, ich habe das Malen verlernt. Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten zu finden ist – wie ich wohl des Öfteren sage – ein Prozess! Doch ich kann das Vertrauen gleichzeitig nur finden, wenn ich es auch wirklich tue und male. Vom langen Nachdenken ist bisher noch nichts besser geworden. Also krempeln wir doch die Ärmel hoch und fangen an … voller neuer positiver Gedanken natürlich. 😊

Kennst du negative Kommentare deiner inneren Stimme vor, während oder nach dem Malen? Und wie gehst du damit um? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

1 Kommentare

  1. Heike Suppe

    Vielen Dank für deine ausführlichen Erklärungen, die ganz deutlich zeigen, wie viele Gedanken du dir über den kreativen Schaffensprozess und die Probleme, die man damit haben kann, gemacht hast. Man spürt, dass du das alles selbst durchlebt hast, die Ängste, Zweifel und Unsicherheiten… Manchmal denkt man, ja, genau so ist es, wieso ist mir das selbst nicht eingefallen und manchmal findet man Gedanken von dir, die tief in einem selbst schon da sind, aber sie waren einem vorher einfach nicht bewusst…
    Besonders faszinierend finde ich auch, dass du aufzeigst, dass die Bewältigung der Ängste und Zweifel in Hinblick auf das Malen einem dann auch in anderen Lebensbereichen helfen.
    Es macht dich sehr sympathisch, dass du zugibst, dass es auch für dich ein Lern-Prozess mit Vorwärts- und Rückschritten ist. Dass die Einsicht alleine noch nicht den durchschlagenden Erfolg bringt, sondern dass man daran arbeiten muss. Aber die Belohnung kommt dann durch ein von Ängsten befreites Malen und im nächsten Schritt ein befreites Leben.

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